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An der Wiege der steirischen Urgeschichte wird eifrig geforscht

Foto: Heribert Kindermann, MA

An der Wiege der steirischen Urgeschichte wird eifrig geforscht
April 01
09:26 2019

WILDON. Seit Anfang März lässt der Kulturverein Hengist unter Leitung von Christoph Gutjahr am Parkplatz der NMS Wildon Ausgrabungen in einem zum Wildoner Schlossberg zählenden Gräberfeld durchführen. „Die bislang zwölf freigelegten Gräber sind rund 3000 Jahre alt und befinden sich auf einer unter Denkmalschutz stehenden Parzelle, die im Zuge des Um- und Neubaus der NMS Wildon bebaut werden sollte. Es handelt sich dabei um einen behördlichen Auftrag, weil auf der Parzelle bauliche Eingriffe bevorstehen. In bis zu drei Metern Tiefe entsteht hier später die Großküche der Schule“, erläutert Gutjahr, der hier an der Spitze eines fünfköpfigen Archäologenteams steht. Ab April werden dann bis zu acht weitere Personen im Rahmen eines AMS-Projekts hinzukommen. Auffallend sei, dass es in diesem Gräberfeld sehr viele und jetzt insgesamt bereits 58 Gräber auf kleinsten Raum, die man entdeckt und freigelegt wurden.

Enorme historische Bedeutung
„Die Dichte der Bestattungen unterstreicht die historische Bedeutung von Wildon, das durch alle Zeiten ein wichtiger Zentralort im Südostalpenraum war. Die Funde von Grabbeigaben und die Herkunft der Amphoren des Leichenbrandes lassen den Schluss zu, dass hier schon sehr früh weitreichende Verbindungen und kultureller Austausch in alle Himmelsrichtungen bestanden haben“, schwärmt Gutjahr. So gelangte man damals über eine Furt in der Kainach in die heutige Südoststeiermark und weiter nach Nordwesten in die Pannonische Tiefebene. Über die Mur, Drau und Donau bestanden auf dem Wasserweg Handelsbeziehungen in den Süden. Aus der topografischen Lage und verkehrsmäßigen Infrastruktur ergibt sich die besondere Bedeutung von Wildon als Drehscheibe bis in die Neuzeit. Auf dem Wildoner Schlossberg, auch als „Wiege der Steiermark“ bezeichnet, und rund um dem Berg herum schätzt man eine Population von seinerzeit bis zu 1500 Menschen.

Präsentation der Urgeschichte
„Mir gefällt es, dass hier gegraben wird. Ich bin da auf der Seite der Archäologen, weil ich es interessant finde, das hier unsere Vergangenheit freigelegt wird“, betont Bgm. Helmut Walch, der Funde aus den Gräbern am liebsten in einer Vitrine im Wildoner Bürgerservice ausstellen möchte.

Auch Museumsleiter Gutjahr wünscht sich in der Schule die Ausstellung eines Grabes, um dadurch bei Schülern und Lehrern das Interesse für die Bedeutung der eigenen Geschichte zu wecken. „Gegenwart und Zukunft können ohne Wissen um die Vergangenheit nicht verstanden werden“, betont Gutjahr.
„Unter den Grabbeigaben der damals üblichen Brandbestattungen haben wir u.a. eine Spinwirtel aus Ton und einen Gefäßhenkel gefunden, was auf eine Frau schließen lässt“, berichtet der Grabungsleiter. Zwischen 1000 bis 6000 vor Christus, so Gutjahr, war es Brauch, die Kegelhals-Urnen aus Ton mit dem Leichenbrand der Verstorbenen samt einem Beigabensatz (Essen & Trinken, Werkzeuge, Handarbeitsmaterial, Fibeln, Nadeln, Ringe) in Steinkisten hineinzustellen. Diese Form der Bestattung lasse auf die Zeit beim Übergang von der Hallstattzeit zur Eisenzeit schließen. Man vermute, so der Archäologe, dass die hier Bestatteten damals zur gehobenen Mittelschicht gehörten, etwa Handwerker waren.

Weitere Vorgangsweise
Die Urnen und Grabbeigaben werden nun Grab für Grab nach digitaler Vermessung (Kalksteine werden eingemessen und nach dem Landeskoordinatensystem verortet) und entsprechender Dokumentation (Messmarken, orthogonale Fotografie, Messbilder im Plan) vorsichtig verpackt und zu einem Restaurator der Archäologischen Abteilung des Joanneums gebracht. Den Leichenbrand wird eine Anthropologin unter die Lupe nehmen und Geschlecht, Alter, Ernährung etc. bestimmen.  Spannenden Erkenntnissen steht daher in der Zukunft nichts mehr im Weg.

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