Leibnitz Aktuell Online

Feindbild Wirtschaft

Feindbild Wirtschaft
April 14
12:06 2015

Höhere Mehrwertsteuer, Registrierkassenpflicht, Offensive gegen Steuerbetrug: Einen großen Teil der Steuerreform soll die Wirtschaft bezahlen – südsteirische Unternehmer und Experten sehen das verständlicherweise kritisch.

Karl Wratschko, Gastwirt und Hotelier: „Die Steuerreform wird nicht die positiven Folgen haben, die erwartet werden, aber sie wird in der Hotellerie und Gas-
tronomie den Wettbewerb zuungunsten der heimischen Betriebe verzerren. In Österreich werden Hotelnächte nun mit 13 Prozent versteuert, in der Schweiz sind es 3,5 Prozent, in Deutschland wurde die Mehrwertsteuer 2010 von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Wegen der knappen Eigenkapitalausstattung vieler Betriebe in dieser Branche werden wir jedes Prozent an Mehrbelastung an den Konsumenten leider weiterverrechnen müssen. Und die Gäste werden sich das anschauen, das wird vor allem negativ wirken, wenn der Euro wieder anzieht. In einem Tourismusland wie Österreich genau in diesem Sektor an der Steuerschraube zu drehen, ist schlicht und einfach furchtbar.“

Helmut Kresnik, Handelsunternehmer: „Ich bin in einer Warteposition und kann das ganze Paket noch nicht beurteilen, weil vieles ja noch unklar geblieben ist. Da muss bei den parlamentarischen Beratungen noch viel geschehen. Ich habe aber größte Zweifel daran, dass mit der Registrierkassenpflicht und der Bekämpfung des Steuerbetrugs die erwarteten Summen hereinkommen. Am Ende müssen die Betriebe die Erhöhungen auf die Preise aufschlagen. Und dann ist fraglich, ob die Konsumenten tatsächlich so viel mehr Geld haben, um einzukaufen. Wenn ja, wäre es für den Handel natürlich gut.“

Mag. Josef Majcan, Wirtschaftskammer Leibnitz: „Ich sehe einige Anreize, aber auch viele Fragezeichen. Die Regierung will Investitionen anregen, aber gerade die mittelständischen Betriebe sehen sich eher als Leidtragende. Anstatt tatsächliche Reformen zu machen und das Steuerrecht zu vereinfachen, geht die Regierung den leichtesten Weg und erhöht die Belastungen. Beim Thema Steuermoral wird so getan, als wären die Österreicher allesamt Steuerbetrüger, dabei beweisen alle internationalen Vergleiche, dass wir alle sehr brav unsere Steuer abliefern. Ich bin auch sehr skeptisch, ob sich diese Versprechungen bewahrheiten, wie viel der einzelne Steuerzahler durch die Veränderungen der Tarifstufen weniger zahlt.“

Mag. Michaela Christiner, Präsidentin der Kammer der Wirtschaftstreuhänder: „Um wirklich ins Detail gehen zu können, muss man auf den Entwurf des Finanzministeriums warten. Durch die Veränderungen bei den Steuertarifen profitieren auch Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften. Durch den Anstieg der Kapitalertragssteuer steigen hingegen die Belastungen bei Kapitalgesellschaften. Unklar ist noch, wie lange man zukünftig Instandsetzungen bei Betriebsgebäuden abschreiben kann. Ob die Hotellerie die höhere Mehrwertsteuer an den Endkunden weiterverrechnen kann, entscheidet sich dann letztlich am Markt. Unternehmer und Unternehmen sind auch von der Erhöhung der Immobilienertragssteuer von 25 auf 30 Prozent betroffen. Durch die Erhöhung der Forschungsprämie von zehn auf zwölf Prozent gewinnen Unternehmen, die forschen und entwickeln.“
Martin Link

 

Teilen

Ähnliche Artikel

Stoarker Betrieb

Wir san a stoarker Betrieb

Newsletter




Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen