Krampfadernoperationen werden traditionell eher im Winter durchgeführt, weil das angeblich Vorteile bei der Nachsorge haben soll. Stimmt das wirklich?

Gibt es wirklich Vorteile, Krampfadern eher im Winter behandeln zu lassen?

Dr. Salama: Krampfadern, medizinisch Varizen genannt, sind erweiterte,  geschlängelte und knotig veränderte oberflächliche Venen. Sehr häufig leiden Betroffene unter dem unschönen Aussehen der Krampfadern. Viele freuen sich deshalb auf die kälteren Monate, in denen sie lange Hosen tragen und ihre Beine bequem verstecken können. Obwohl es die kalte Jahreszeit leichter macht, das Problem zu verbergen, sind sich viele Ärzte einig, dass der Winter die beste Jahreszeit ist, um Krampfadern zu behandeln. 

Was spricht denn konkret für eine Krampfadernbehandlung im Winter?

Dr. Salama: Der Winter hilft,  die Symptome von Krampfadern zu verringern! Das kühlere Wetter kann sich tatsächlich positiv auf die Symptome von Krampfadern auswirken, indem es die Beschwerden, Schwellungen und Krämpfe verringert. Es ist erwiesen, dass Kompressionsstrümpfe bei Krampfadern Linderung verschaffen und sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Im Winter ist es auch, im Gegensatz zu heißen Tagen, einfach angenehmer, Kompressionsstrümpfe zu tragen. Sie werden auch nach einer Behandlung verschrieben. Es wird empfohlen, sie 3 bis 5 Tage lang zu tragen. Aufgrund der Dicke von Kompressionsstrümpfen kann man sich gut vorstellen, dass sie ziemlich warm halten und in den wärmeren Monaten schwerer zu ertragen sind.

Das klingt sehr plausibel. Aber welche Vorteile hat der Winter denn noch?

Dr. Salama: Nach der Behandlung der Krampfadern kann man einen leichten Bluterguss und eine ganz leichte Schwellung bekommen. Grundsätzlich können UV-Strahlen Schäden verursachen und die Genesung der Krampfadernbehandlung behindern. Wir von der der LBCL Chirurgie & Venenpraxis im Kindermann Zentrum empfehlen deshalb unseren Patientinnen und Patienten, ihre Beine nach einer Krampfadernbehandlung, insbesondere nach einer Sklerotherapie, einige Wochen lang nicht der Sonne auszusetzen. Denn die UV-Strahlen verursachen manchmal Hautverfärbungen an den heilenden Beinen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Patientinnen und Patienten im Winter eher lange Hosen tragen und sich häufiger in geschlossenen Räumen aufhalten, sodass es einfacher ist, Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Hinzu kommt, dass wir im Winter alle langsamer werden! Einige Wochen nach der Behandlung ist es wichtig, anstrengende Aktivitäten und schweres Heben zu vermeiden, da der Innendruck in den Blutgefäßen bereits hoch sein kann und Tätigkeiten, die mit Anspannung und Heben verbunden sind, den Druck weiter erhöhen und den Kreislauf übermäßig belasten können. Daher gibt es bestimmte sportliche Übungen, von denen man als Venenarzt abrät, etwa Gewichte heben, Kniebeugen, Bauchpressen, Sit-ups oder Ausfallschritte.

Ist der Winter also wirklich die bessere Zeit für eine Krampfadernbehandlung?

Dr. Salama: Trotz der erwähnten Vorteile konnte eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2019 keine medizinischen Beweise dafür erbringen, dass die Behandlung von Krampfadern im Winter vorteilhafter ist als im Sommer. Die beobachtete saisonale Verteilung der Operationen zeigte in beiden Beobachtungsjahren der Studie ein fast identisches Muster mit einem Maximum an Operationen im Winter und einem Minimum im Sommer. Der bestimmende Faktor für die Operations- oder Behandlungszeit war jedoch in erster Linie der Beruf und die Beschäftigung der Patientin bzw. des Patienten. Der zweite entscheidende Faktor  war die Symptomatik der Krampfadern. 

Allgemein sind die Symptome und die Vorbeugung möglicher Komplikationen für Patientinnen und für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung wichtig.

Aufgrund unserer Erfahrung in der LBCL Chirurgie & Venenpraxis haben wir festgestellt, dass Patientinnen und Patienten mit ihren Venenerkrankungen in der Regel eher in den Sommermonaten zu uns kommen, in denen die Symptome aufgrund der Temperaturen zunehmen. Natürlich operieren wir sowohl im Sommer als auch im Winter. Das Wichtigste ist nach der Operation, einen elastischen Kompressionsstrumpf erster Klasse aus einem speziellen, dünnen Material zu verwenden. Er bietet aufgrund seiner elastischen Volumendehnbarkeit exakt jene relative Menge an Kompression, die man für eine postoperative Behandlung der Venen benötigt.

LBCL Chirurgie und Venenpraxis
Dr. Mohamed Salama

M.B.B.CH, Msc, Facharzt für Chirurgie
Kindermann-Zentrum
Dechant-Thaller-Straße 37/2/02, 8430 Leibnitz
www.lbcl.at