Unschön anzusehnde Krampfadern zählen zu den häufigsten Erkrankungen in der westlichen Welt. Aber haben Krampfadern auch Einfluss auf unsere Lebensqualität? Auf jeden Fall sollte die von den Venenleiden ausgehende psychische Belastung im Auge behalten werden, wie Dr. Mohamed Salama im Gespräch mit CR Heribert Kindermann, MA erklärt.

Welche Auswirkungen haben Krampfadern auf die Lebensqualität? 

Dr. Salama: Es gibt bislang nur wenige Studien zu den Auswirkungen von Krampfadern auf unsere Lebensqualität und deren Ergebnisse sind widersprüchlich. Auf die Frage, ob dadurch die Lebensqualität beeinträchtigt wird, erhält man widersprüchliche Antworten, je nachdem, ob man den Einfluss auf die mit Krampfadern (chronisch venöse Insuffizienz) verbundenen Symptome (Ödeme, Hautveränderungen, Ulzerationen) oder das die Krampfadern verursachende medizinische Problem betrachtet.

Welche Rolle spielt das Fortschreiten chronischer Venenschwäche?

Dr. Salama: In der Regel sind Krampfadern bei rund 60 Prozent aller Patientinnen und Patienten mit Fortschreiten der Erkrankung mit verschiedenen, unangenehmen Symptomen verbunden, die großen Einfluss auf die Lebensqualität haben. Zu nennen sind schwere, unruhige oder schmerzende Beine, Schwellungen, Hitze oder Brennen, Pochen, Juckreiz und Kribbeln.

Nicht nur die genannten Symptome haben bei täglichen Aktivitäten negative Auswirkungen auf die Lebensqualität, vielmehr gibt es auch psychologische Auswirkungen wie die Beeinträchtigung

des Selbstwertgefühls. In Studien wurde festgestellt, dass Entzündungen einer oberflächlichen Vene, die durch ein Blutgerinnsel entstehen (Thrombophlebitis), bei 22,2 Prozent aller Patientinnen und Patienten zu einem deutlich erhöhten Risiko für das Auftreten tiefer Venenthrombosen sowie thromboembolischen Erkrankungen führt. Bei Letzteren löst sich das Blutgerinnsel von der Gefäßwand und wird in der Blutbahn weitertransportiert, daraufhin bleibt es in einem Blutgefäß stecken und verschließt dieses.

Welche Risikofaktoren gibt es? 

Dr. Salama: Risikofaktoren für die Entwicklung einer progressiven chronischen Veneninsuffizienz und von Krampfadern sind weit verbreitet und umfassen fortgeschrittenes Alter, Übergewicht, sitzende Lebensweisen und Berufe, Familienanamnese und Schwangerschaft. Krampfadern und chronisch venöse Insuffizienz werden mit venöser Hypertonie, venösem Reflux, dysfunktionalen Venenklappen und Venenwandentzündungen in Verbindung gebracht, wobei die genauen Ursachen noch unklar sind. Sobald sich eine Venenpathologie entwickelt, kann sie einen Teufelskreis aus Entzündung und Leukozytenrekrutierung in Gang setzen, der zur Verschlechterung der Venenwände und -klappen, erhöhtem Blutdruck und Freisetzung zusätzlicher entzündungsfördernder Mediatoren führt.

Die frühzeitige Behandlung von symptomatischen Krampfadern und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Lebensstiländerung können dazu beitragen, den Entzündungszyklus zu durchbrechen und die Symptome zu lindern. Ärztliches Fachpersonal und Betroffene sollten sich der Risikofaktoren für Beinvenenerkrankungen, die mit Durchblutungsstörungen als Folge einer venösen Abflussbehinderung entstehen, verfügbarer Behandlungen und Maßnahmen zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs sowie der schwerwiegenden Folgen eines unkontrollierten Fortschreitens der Krankheit bewusst sein.

Kann man subjektive Urteile messen?

Dr. Salama: Psychisches Wohlbefinden kann mittels etablierter wissenschaftlicher Methoden ermittelt werden, konkret können subjektive Urteile mit numerischen Skalen ausgedrückt werden.

Eines der neu entwickelten Instrumente für diese Bewertung ist der „Veines-Quality of life/Sym questionnaire“ (Fragebogen zur Venen-Lebensqualität), der im Rahmen der Venenforschung und -studie entwickelt wurde. In der internationalen, prospektiven Kohortenstudie wurden der natürliche Verlauf und die Risikofaktoren sowie klinische Ergebnisse, Lebensqualität, Kosten und Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten bei chronischer Veneninsuffizienz untersucht. Wir in der LBCL Chirurgie & Venenpraxis haben uns dazu entschieden, diesen Fragebogen an die Bedürfnisse unserer Patientinnen und Patienten anzupassen. Damit können wir die Verbesserung ihrer Lebensqualität nach der Behandlung überwachen und den Verlauf der Behandlung nicht nur auf der Grundlage der klinischen Ergebnisse, sondern auch auf Basis des psychischen Wohlbefindens unserer Patientinnen und Patienten bewerten.

LBCL Chirurgie und Venenpraxis
Dr. Mohamed Salama

M.B.B.CH, Msc, Facharzt für Chirurgie
Kindermann-Zentrum
Dechant-Thaller-Straße 37/2/02, 8430 Leibnitz
www.lbcl.at