Derzeit herrscht in unserem Land der Ausnahmezustand. Das Coronavirus breitet sich weltweit immer weiter aus und versetzt uns in Angst und Schrecken. Vor allem besteht eine große Unsicherheit in Bezug auf die Frage, wie das Virus übertragen wird. Viele TierbesitzerInnen fragen sich, ob auch ihre Haustiere, Nutztiere und Pferde an Covid-19 erkranken können oder eine Übertragung durch Tiere auf den Menschen ein Risiko darstellt. Tierarzt Dr. Brandl klärt auf.

Grundsätzlich gibt es Coronaviren schon lange und jede Tierart hat ihren eigenen Coronavirus. Laut Universitätsprofessor Dr. Norbert Nowotny (Virologe an der Vetmeduni Wien) gibt es erst drei Coronavirusinfektionen, die ausgehend von Tieren auf den Menschen übergesprungen sind. Diese sind Covid-19, SARS und MERS. Der Ursprung von SARSCoV-2, dem Auslöser der Krankheit Covid-19, liegt wahrscheinlich in einer chinesischen Fledermaus.

Infektionen von Haustieren mit SARS-CoV-2 stellen dagegen nur Ausnahmen dar. Bisher (Stand April 2020) wurden über Infektionsfälle bei Hunden, Katzen, Tigern und in mehreren Nerzfarmen berichtet. Wobei sich diese Tiere von SARS-CoV-2 infizierten Menschen angesteckt haben. Bis heute gibt es noch keinen wissenschaftlich belegten umgekehrten Fall, also eine Ansteckung von Haustier auf den Menschen. Eine Studie des Friedrich-Löffler-Institutes bestätigte, dass Schweine und Hühner nicht für SARS-CoV-2 empfänglich sind. Die Empfänglichkeit verschiedener Tierarten ist davon abhängig, wie sehr sich der Rezeptor, an den sich das Virus bindet, dem des Menschen ähnelt.

Hunde werden als kaum empfänglich für das Virus eingeschätzt. Bei den beiden positiv getesteten Hunden, die im Haushalt erkrankter Personen lebten, kam es wahrscheinlich zur Kontamination der Hundenase mit dem Virus. Es handelte sich um keine tatsächliche Infektion mit SARS-CoV-2.

Anders ist das bei Hauskatzen. In Belgien wurde eine Katze eines Covid-19 Erkrankten mit milden respiratorischen Symptomen positiv getestet. Durch die Forschungsgruppe um Shi et al. wurde eine Virusübertragung von Katze zu Katze nachgewiesen. Obwohl SARSCoV-2 Infektionen eine Seltenheit bei Katzen darstellen, sollten TierbesitzerInnen vermehrt auf den Gesundheitszustand ihrer Vierbeiner achten.

Zur Eindämmung des Virus ist es ratsam Freigängerkatzen aus Haushalten mit bestätigten Covid-19 Fällen für die Dauer der Quarantäne im Haus zu lassen. Treten bei Kontaktkatzen respiratorische Symptome wie Husten, Niesen oder Atemnot auf, sollte unbedingt ein Tierarzt informiert werden. Eine diagnostische Abklärung kann am Institut der Virologie der Vetmeduni Wien durchgeführt werden.

Abschließend kann also Entwarnung gegeben werden. Infektionen von Haustieren sind derzeit nur Einzelfälle. Sie spielen auch keine nennenswerte Rolle, die zur weltweiten Verbreitung von SARS-CoV-2 beitragen. Bei diesen Einzelfällen handelt es sich vielmehr um einen sogenannten „Spillover-Effekt“, bei dem in seltenen Fällen eine Übertragung des Virus vom Hauptwirt Mensch, auf gewisse Tierarten erfolgt. Die Hauptübertragung findet jedoch von Mensch zu Mensch statt.

Tierarzt Mag. Manfred BRANDL ist spezialisiert auf Kleintiere und betreut diese in seiner bestens ausgestatteten Tierklinik in Kaindorf.

www.kleintiermedizin-kaindorf.at