Angesichts des Internationalen Frauentages am 8. März 2022 informierten namhafte SPÖ Frauen Steiermark bei einem Pressegespräch im Wirtshaus Römerhof in Leibnitz über die Situation der Frauen in der Südweststeiermark.

Internationale Frauentag am 8. März

„Der Internationale Frauentag ist eine überparteiliche Initiative und steht für den starken Einsatz für Frauen und Kinder. Unsere große Anteilnahme und Solidarität ist allen Frauen auf der ganzen Welt gewidmet“, betont LAbg. Bernadette Kerschler. „Was Frauen tagtäglich spüren, belegen die Zahlen der Einkommens- Arbeitsmarkt- Kinderbetreuungs- und Gewaltstatistik. Von echter Gleichstellung sind wir trotz vieler Verbesserungen noch weit entfernt. Frauen bekommen selbst wenn sie ganzjährig Vollzeit beschäftigt sind, weniger Gehalt. In unserer Region reichen die Unterschiede von 19,1% in Voitsberg bis 19,7% in Leibnitz und 21,6% in Deutschlandsberg. In den höheren Einkommenssegmenten der Privatwirtschaft (Industrie) sind Frauen kaum vertreten!“, gibt LAbg. Kerschler zu bedenken. 

„Die Lebenssituation der Frauen in der Südweststeiermark muss verbessert werden!“ fordern daher unisono Landesfrauenvorsitzende BRin Elisabeth Grossmann (SPÖ Frauen Steiermark), Regionalfrauenvorsitzende LAbg. Bernadette Kerschler (SPÖ Regionalfrauen Südweststeiermark) sowie Sandra Jakomini und Eva Surma vom Verein Freiraum. Deshalb fordern sie dringend Maßnahmen gegen Benachteiligung und Teuerung ein. 

„Gewalt gegen Frauen kommt nicht über Nacht!“

Jede 5. Frauen in der Steiermark mache, so Elisabeth Grossmann, als Hauptopfer Erfahrung mit häuslicher und familiärer Gewalt. Die Betretungs- bzw. Annäherungsverbote sind laut LAbg. Kerschler teilweise sprunghaft angestiegen.

„Frauen sind es, wie wir aus jahrelangen Gewaltstudien wissen, leider gewohnt in Gewalt und Abhängigkeit zu leben! Daher bedarf es einer gescheiten Begleitung und Betreuung sowie einer neuen Kultur und müssen Opferschutzeinrichtungen und Frauenberatungsstellen weiter gestärkt werden. Es gibt Unterstützungsmöglichkeiten bei Gewalt an Frauen und Kindern vor allem dank der Frauenberatungsstellen. Als Frau soll man sich im Fall von Gewalt an Profis als Ansprechpartner wenden“, meint Sandra Jakomini. Wichtig sei, so Jakomini, „hinzuschauen und Alarmsignale wahr zu nehmen! Denn Gewalt gegen Frauen kommt nicht über Nacht“, denn Gewalt passiere schon früher.

Krisenwohnung in Leibnitz

Von der Rechtsabteilung 11 von Soziallandesrätin Kampus werden eine Krisenwohnung in Leibnitz für drei Frauen finanziert. „Leider haben wir mehr Anfragen als Plätze und daher eine Warteliste für Frauen, die wegen häuslicher Gewalt in die Krisenwohnung übersiedeln wollen“, weiß Jakomini.

„Bevor es passiert!“

„Am 29. April 2022 beginnt ins der Alten Klosterschule in Gamlitz eine Gewaltpräventionsschulung für alle Interessierten. Die Workshop-Reihe umfasst 24 Einheiten. Am Weltfrauentag gilt es, sich mit den Frauen solidarisch zu erklären. Auch Männer brauchen Unterstützung, den Gewalt ist ein Kreislauf, der sich von Zeit zu Zeit steigert. Frauen sind von struktureller Gewalt betroffen. Bei uns im Verein Freiraum werden aus den Gesprächen mit Frauen von den Auswüchsen von Gewalt gegen Frauen berichtet und, dass Gewalt auf Abhängigkeiten basiert“, berichtet Eva Surma.

Wichtigste Forderungen der SPÖ Frauen Steiermark

  • Einkommensgerechtigkeit durch Neubewertung der Arbeit, Mindestlohn von 1700 € (netto, VZ, Kollektivvertrag) und Einkommenstransparenz, um gegen Ungerechtigkeiten vorgehen zu können
  • Armutsbekämpfung durch Teuerungsausgleich (siehe oben)
  • Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr, die mit Vollzeitarbeit vereinbar ist 
  • Mehr Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung durch bessere Karenz- und Arbeitszeitmodelle
  • Mehr Ressourcen gegen Gewalt an Frauen und Kindern
  • Unterhaltssicherung für Kinder bis zur Selbsterhaltungsfähigkeit

„Gehen die Frauen, stirbt das Land!“

„Der heurige Frauentag wird von der internationalen Situation überschattet, weil Europa zum Kriegsschauplatz geworden ist und davon vor allem Frauen und Kinder betroffen sind. Daher haben wir viele Aktionen quer über die Steiermark geplant und beteiligen uns an Solidaritäts- und Hilfsprojekten“, erläutert Grossmann.

Obwohl es Verbesserungen gegeben habe, so Grossmann, zeigen die Statistiken, dass man von einer echte Gleichstellung sehr weit entfernt sei. „In den ländlichen Regionen tun sich Gemeinden schwer, die Daseinsvorsorge zu finanzieren. Dabei sind die Frauen die Ersten, die gehen und wenn Frauen gehen, stirbt das Land!“, unterstreicht Grossmann. Daher müsse die Infrastruktur für Kinder und Familien zwecks Stärkung der Regionen ausgebaut werden, damit die Bevölkerung am Land gehalten werden könne.

Weltfrauentag im Verein Freiraum

Zum Weltfrauentag am 8. März gibt der Verein Freiraum von 14 bis 16 Uhr in der Frauenberatungsstelle in der Karl-Moore-Gasse 11 in Leibnitz einen Sektempfang. Sandra Jakomini und Eva Surma laden herzlich zu einem gemütlichen Beisammensein mit Keksen, Sekt und Orangensaft ein. Dabei werden die Wandzeitung „Ausreißer“ und Statements von Frauen aus der Region zum Thema „Frauenleben am Land“ präsentiert.
Unter dem Thema „Texte einer südsteirischen Ausreißerin“ werden Beiträge gesammelt, die in ihrer Gesamtheit das Leben von Frauen im ländlichen Raum und speziell im Bezirk Leibnitz bearbeiten.