Sprichwörtlich fünf vor zwölf möchte Obmann Armin Klein von der Interessensgemeinschaft „Neue Radkersburger Bahn“ mit einem offenen Brief auf die, seiner Meinung nach, wenig zufriedenstellende Situation der S-Bahnlinie im Süden der Steiermark aufmerksam machen.

Klage über Mängel

Obmann Klein beklagt, auch im Namen von über 100 Mitgliedern und Freunden der Radkersburger Bahn, nicht technisch gesicherte Eisenbahnkreuzungen, eine katastrophale Fahrzeit und in die Jahre gekommene Garnituren ohne Klimaanlage (City Shuttle). „Nicht nur Corona, sondern auch solche Begleitumstände bewegen immer mehr Personen auf den eigenen PKW umzusteigen und wenigstens bis zum Bahnhof Spielfeld-Straß mit dem eigenen Auto zu fahren. In Zeiten wie diesen ist das ein katastrophales Zeichen, dem wir ehest möglich entgegenwirken müssen“, fordert Klein.

Offener Brief und Apell

Daher hat sich Obmann Klein aktuell namens der Interessensgemeinschaft „Neue Radkersburger Bahn“ in einem offenen Brief an Verkehrsministerin Leonore Gewesler und Verkehrslandesrat LH-Stellvertrterer Anton Lang gewandt und appelliert darin an die politisch Verantwortlichen, rasch zu handeln.

„Wenig zufriedenstellend ist die Situation rund um die Radkersburger Bahn, die leider in stiefmütterlichster Art und Weise vernachlässigt wurde und wird. Obgleich wir schon seit zehn Jahren auf den schlechten Zustand unserer Radkersburger Bahn aufmerksam machen haben wir außer „Lippenbekenntnissen“ von den verantwortlichen Stellen nichts erhalten. Bald schon werden wir in 45 Minuten von Graz nach Klagenfurt reisen können und dabei 130 Kilometer zurückgelegt haben. In der gleichen Zeit kommen wir bloß „leppische“ 30,6 Kilometer von Bad Radkersburg nach Spielfeld-Straß“, so der engagierte Obmann.

Schlagzeilen

22.08.2015: 23,5 Millionen Euro für weiß grüne Regionalbahnen 

14.01.2017: Die SPÖ will die Bahn auf Schiene bringen 

28.09.2017: Leichtfried und Lang schnüren 110 Millionen Paket für Steirische Bahn 

26.04.2019: Norbert Hofer verspricht Unterstützung für Bahnprojekt 

16.10.2020: 2,9 Milliarden Euro für die Bahn in der Steiermark 

„Solche und viele weitere Schlagzeilen konnten wir in den letzten zehn Jahren in den Medien oft genug lesen, doch tatsächlich ist kein einziger Cent davon auf der Radkersburger Bahn je angekommen, ganz im Gegenteil. Alle Reparaturversuche der ÖBB waren nur „Kosmetik“ die dem Auge dienen sollten und nun, nur wenige Jahre später, wieder zu Sanierungsfällen geworden sind. Wieder mussten Leute sterben, weil man sich nicht zur technischen Sicherung von Bahnübergängen hat entschließen können. Darauf angesprochen wurden wir immer nur hingehalten und vertröstet und man „verhandle ja eh gerade“ wurde uns immer wieder mitgeteilt. Seit 1989 nahm die Fahrzeit auf unserer Strecke kontinuierlich zu. Vielleicht zum Vergleich: Schon im Jahr 1989 sind wir dieselbe Strecke mit wesentlich älteren Schienenfahrzeugen und zwei zusätzlichen Haltestellen mehr (Weixelbaum und Diepersdorf wurden im Dezember 2005 aufgelassen) in nur 38 Minuten gefahren und damals waren lediglich 4 Eisenbahnkreuzungen technisch gesichert“, Klein weiter.

Ein sehr „trauriges Signal“ für eine Regionalbahn, die zum Umsteigen einladen soll !

„Wir haben nun genug Ausreden gehört und wollen ein sichtbares Zeichen als Bekenntnis zur Radkersburger Bahn, als verlässlicher und umweltfreundlicher „Zubringer“ aus der Fläche in den Kernraum Leibnitz-Graz-Bruck. Wir fordern die technische Sicherung der letzten 12 gefährlichen Eisenbahnkreuzungen und die Auflassung, bzw. Zusammenlegung weiterer 31 kleinerer Bahnübergänge zum Schutz der Kraftfahrer und zur Anhebung der Streckengeschwindigkeit. Weiters fordern wir eine korrekte und nachhaltige Sanierung der aktuellen Langsamfahrstellen, verschuldet durch die billig „Diskont Sanierungen“ der ÖBB Infra in den letzten Jahren. Seit mehr als zwei Jahren fordern wir ebenso den Einsatz von Doppelstockzügen (Dostos) als Ersatz für die veralteten und unpraktischen Cityshuttle Züge für die direkte Verbindung von und nach Graz Hbf. Diese Züge sind bei gleicher Sitzplatzanzahl nur halb so lang wie die alten Garnituren und sind außerdem klimatisiert, so wie man es sich eben bei einem modernen Verkehrsdienstleister im 21. Jahrhundert wünschen würde“, meint Klein.

Radkersburg braucht die Bahn!

„Die Umsetzung dieser Forderungen sind die Grundvoraussetzungen für einen attraktiven, leistungsfähigen und konkurrenzfähigen Nahverkehr in der heutigen Zeit. Wenn Sie wirklich eine Verkehrswende anstreben, und wenn das 1-2-3 Ticket ein Erfolg werden soll, dann wird es wohl notwendig sein auch bei uns das Geld in die Hand zu nehmen und diese Forderungen im Sinne einer nachhaltigen Verkehrspolitik zu erfüllen. Wir sind in unserer Region auf diese Verkehrsader angewiesen und wenn Sie die Abwanderung der Jungen stoppen wollen, dann müssen Sie ihnen auch die Möglichkeit geben verlässlich, günstig und umweltfreundlich von und zu ihren Arbeitsstätten kommen zu können. Eine dritte und dann vielleicht vierte Autobahnspur wird wohl kaum des Rätsels Lösung sein können. Radkersburg braucht die Bahn! Spielfeld-Straß braucht die Bahn und alle dazwischen brauchen auch die Bahn! 

Bitte helfen Sie uns die Radkersburger Bahn zu einem leistungsfähigen und umweltfreundlichen Verkehrsmittel zu machen. Gerade im Hinblick auf den globalen Temperaturanstieg werden wir einen „Zubringer aus der Fläche“ in Zukunft dringend benötigen. 

Wir verlassen uns auf Ihre tatkräftige Unterstützung und auf eine rasche Umsetzung für uns, unsere Kinder, unsere Gäste und vor allem für unsere Umwelt“, appelliert der Obmann im eigenen Namen und im Interesse von über 100 weiteren Clubmitgliedern und Freunden der Radkersburger Bahn an die Politiker.