Die Landwirtschaftskammer Steiermark startet die Offensive „Sei fair und iss heimisch“ und eröffnete bei Hofgesprächen, wie etwa bei Familie Posch in Heimschuh, im Zuge der Woche der Landwirtschaft eine breite Debatte für eine faire Verteilung der Wertschöpfung bei landwirtschaftlichen Produkten.

Nur ganze 3,67 Euro kommen beim Bauern an, wenn 100 Euro für Lebensmittel ausgegeben werden! Im Handel hingegen sind es schon satte 17,34 Euro. Der Leibnitzer Bezirkskammerobmann Christoph Zirngast forderte daher beim Hofgespräch am Betrieb Posch in Heimschuh eine rot-weiß-rote Trendumkehr.

Laut Franz Silly unterstützt seine Gemeinde Vereine und Veranstaltungen, die auf regionale Wertschöpfung achten. „Jeder von uns kann zu einer Trendwende beitragen!,“ so die Leibnitzer Bezirksbäuerinnen Daniela Posch. „Beim Einkauf auf Herkunft achten und nachfragen, bevorzugt direkt beim Bauern oder Bauernläden kaufen. In der Gastronomie und Kantinen nachfragen, woher das Essen kommt“, ergänzt die Deutschlandsberger Bezirksbäuerin Angelika Wechtitsch. 

„Allein 280 Millionen Euro wurden 2019 für den Import von Fleisch, Äpfel und Eier ausgegeben, Geld, dass der Landwirtschaft fehlt“, so der Deutschlandsberger Bezirkskammerobmann-Stv. Bgm. Franz Silly. Nina Schweinzger und Josef Kaiser fordern als Sprecher der Kampagne „Junge Landwitschaft“ faire Produktionsbedingungen und gerechte Entlohnung. Wertschätzung müsse auch Wertschöpfung bedeuten!

Rot-weiß-rote Trendumkehr

„Der Handel macht Werbung mit der heimischen Landwirtschaft, verwendet aber zu oft ausländische Produkte in den Eigenmarken“, fasst Kammerpräsident Franz Titschenbacher die aktuelle Situation zusammen und verlangt eine rot-weiß-rote Trendumkehr: Von der Lebensmittelindustrie den Vorrang von regionaler Qualität bei verarbeiteten Lebensmitteln. Vom Handel ein Weg von Aktionitis und Rabattismus mit klimaschädlich hereingekarrten Billigwaren niedriger Standards. Und von der Politik eine klare Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Lebensmitteln sowie von Essen in Großküchen.

„Durch die hohen Energie- und Futtermittelpreise füttern und betreuen Schweinebauern ihre Tiere, ohne nur einen einzigen Cent zu verdienen. Das ist untragbar. Wir können nicht zum Nulltarif arbeiten!“, kritisiert auch Vizepräsidentin Maria Pein die ungleiche Verteilung in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette und fordert als Spitzenvertreterin der heimischen Schweinebauern einen fairen Anteil für die Landwirtschaft ein.