Giardien sind einzellige Darmparasiten und zählen zu den sogenannten Protozoen (Einzeller).

Charakteristisch für eine Giardieninfektion sind starke, immer wiederkehrende Dünndarmdurchfälle mit Schleimbeimengung. Teilweise können sie auch blutig sein. Die Konsistenz des Kotes variiert von breiig bis wässrig. Eine Herausforderung stellen asymptomatische Verläufe dar. Viele Tiere sind zwar infiziert, dennoch zeigen sie keine Symptome. Als Dauerausscheider von infektiösen Giardienzysten können sie so zu einer Gefahr für andere Tiere werden. Insbesondere Jungtiere haben häufig unter den Folgen eines Befalls mit Giardien zu leiden. 

Wenn Tiere mit Giardien befallen sind, ist es vor allem vom Alter des Tieres und der Aktivität des Immunsystems abhängig, ob Krankheitssymptome auftreten. Gerade junge Hunde und Katzen, deren Immunsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist, sowie Tiere mit Vorerkrankungen sind anfälliger für einen Giardienbefall. 

Giardien kommen bei zahlreichen Tierarten und auch beim Menschen vor. Es gibt zwei verschiedene Entwicklungsstadien. Einerseits die beweglichen, fortpflanzungsfähigen Trophozoiten (Urtierchen) im Darm und anderseits die widerstandsfähigen Zysten in der Umgebung. Anstecken können sich unsere Vierbeiner über den infizierten Kot anderer Tiere, verseuchtes Futter oder kontaminiertes Trinkwasser. Vor allem in Tierheimen, Pensionen, Hundeschulen und allen anderen Orten, an denen viele Tiere auf engem Raum zusammenleben, können sich Giardien schnell verbreiten. Bereits zehn bis hundert aufgenommene Zysten können zu einer Infektion führen. Nach der oralen Aufnahme der Zysten kommt es im Magen durch Kontakt mit der Magensäure zur Umwandlung in Trophozoiten. Diese besiedeln den Dünndarm und heften sich an die Schleimhautoberfläche und stören die Verdauungstätigkeit. Die Folge sind regelmäßige, wiederkehrende, mitunter starke wässrige Durchfälle. Die Tiere zeigen meist wenig Appetit, ein reduziertes Allgemeinbefinden und verlieren zunehmend an Gewicht. 

Die Trophozoiten wandern weiter durch den Darm und werden wieder in Zysten umgewandelt und intermittierend mit dem Kot ausgeschieden. Giardienzysten sind extrem widerstandsfähig und können in der Umgebung bis zu mehrere Wochen infektiös bleiben. Vor allem in kaltem Wasser und kühlen, feuchten Böden bleiben sie überlebensfähig. Hohe Temperaturen und Minusgrade können die Zysten inaktivieren. 

Für die Diagnostik stehen unterschiedliche Untersuchungsmethoden in speziellen Labors zur Verfügung. Es empfiehlt sich eine Sammelkotprobe von circa drei Tagen untersuchen zu lassen. Einzeller werden bei den meisten Entwurmungsmitteln nicht miterfasst. Liegt ein Giardienbefall vor wird eine mehrtägige Behandlung mit Fenbendazol und eine Wiederholungsbehandlung empfohlen. Eine strikte Hygienebehandlung der Umgebung ist aufgrund der Widerstandsfähigkeit der Zysten ein wichtiger Bestandteil der Giardientherapie. Je mehr Hygienemaßnahmen umgesetzt werden, desto geringer ist das Risiko einer Reinfektion oder Übertragung auf andere Tiere.

Tierarzt Mag. Manfred BRANDL ist spezialisiert auf Kleintiere und betreut diese in seiner bestens ausgestatteten Tierklinik in Kaindorf.

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