Der außerordentlich beliebte Bischof emeritus Dr. h.c. Johann Weber verstarb in der Nacht des 23. Mai 2020 im 94. Lebensjahr in Graz. Er war von 1969 bis 2001 als legendärer Bischof an der Spitze der katholischen Diözese Graz-Seckau gestanden.

Lange Karriere als Seelsorger und Vermittler

Weber wurde am 26. April 1927 in Graz-St. Veit geboren. Die Priesterweihe empfing er 1950 er nach dem Studium der Theologie. Nach Stationen u.a. in Kapfenberg und Köflach wurde er 1962 Stadtpfarrer von Graz-St. Andrä. Höhepunkt im priesterlichen Leben war am 10. Juni 1969, wo er von Papst Paul VI. zum 56. Bischof der Diözese Graz Seckau ernannt und am 28. September 1969 im Grazer Dom zum Bischof geweiht wurde.

Größere Ereignisse wie der „Steirische Katholikentag“ 1981 oder die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz wurden von Altbischof Weber initiiert. Ein Höhepunkt seiner Amtszeit war der Mariazeller Papstbesuch von Johannes Paul II. im September 1983.

Innige Verbindung zu Leibnitzer

Mit dabei bei der Bischofsweihe 1969 war damals auch sein Kriegskamerad Heribert Kindermann sen. aus Leibnitz, mit dem Weber seit der Militärzeit im Zweiten Weltkrieg und einer lebensgefährlichen Verwundung eine lebenslange Freundschaft verband. Der Leibnitzer hatte seinerzeit den Blutverlust Webers nach einem Granatsplittertreffer noch im Schützengraben bis zum Eintreffen der Sanitäter stoppen können. Mit dem leider bereits 2009 verstorbenen Heribert Kindermann sen. hatte er sich zu Lebzeiten oft auf Schloss Seggau oder sogar in dessen Wohnung in Leibnitz zu Unterredungen und Gesprächen getroffen. Beim Begräbnis des Leibnitzers hatte Weber für seinem Kameraden im Dezember 2009 eine feierliche Totenmesse in der Stadtpfarrkirche Leibnitz mit sehr persönlichen, innigen Worten zelebriert.

Trauer bei der Landesspitze

„Bischof Johann Weber hat in den Herzen der Steirerinnen und Steirer einen ganz besonderen Platz. Er war über Jahrzehnte das geistliche Herz einer aufblühenden Steiermark. Sein aufbrechender offener Geist, verpflichtet dem 2. Vatikanischen Konzil, prägte als ,Bischof der kleinen Leut‘ Generationen an Steirerinnen und Steirer. Ich habe ihm im April zu seinem Geburtstag gratuliert und war sehr berührt von seiner Antwort“, zeigt sich auch Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer tief betroffen vom Ableben des Altbischofs.

„Seine Fähigkeit auf die Menschen zuzugehen und sein Gespür für die Leute werden unvergessen bleiben. Er war ein Bischof, der mit offenem Herzen auf die Menschen zuging um mit ihnen gemeinsam den Weg des Glaubens zu gehen. Ein Steirer, den die Steiermark als Land von Offenheit und Herzlichkeit betrauert, weil Johann Weber uns mit seinem Geist in das Herz geschrieben hat“, führt der Landeshauptmann weiter aus.

„Johann Weber war ein Bischof über sämtliche Konfessions-, Religions- und Parteigrenzen hinweg. Als steirischer Oberhirte stellte er stets das Verbindende vor das Trennende. Er wollte stets ein Bischof für alle Steirerinnen und Steirer sein, und das ist ihm auch Zeit seines Wirkens in eindrucksvoller Weise gelungen. Mein tiefstes Mitgefühl gilt jetzt der Familie und den vielen engen Freunden des Verstorbenen“, meint Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Lang.