Die Kammerobmänner Gerald Holler (Leibnitz) und Christian Polz (Deutschlandsberg) haben im Zuge eines Pressegesprächs bei der Styriabrid in St. Veit in der Südsteiermark darauf hingewiesen, dass Bäuerinnen und Bauern aus den Bezirken Leibnitz und Deutschlandsberg auch in Krisenzeiten verlässlich den Tisch decken.

Als „stille Alltagshelden“ haben nämlich auch Leibnitzer und Deutschlandsberger Bäuerinnen und Bauern die Bevölkerung in der Corona-Akutphase mit der verlässlichen Versorgung mit sicheren heimischen Lebensmitteln und regionaler Qualität vor der Haustür überzeugt. Leider habe, so Kammerobmann Holler, die heimische Landwirtschaft die funktionierende Versorgung während der Krise jedoch preislich nicht nutzen können. „Man darf nicht vergessen, dass in unserer Region seit 1995 insgesamt 60% der landwirtschaftlichen Betriebe aufgehört haben“, was wesentlich am Preisverfall bzw. Preisdruck liege.

Geringere Marktpreise

„Unsere Bäuerinnen und Bauern bekommen seit dem rückläufigen Absatz durch die Corona-Einschränkungen 50 Euro weniger für ein Mastschwein und haben damit rund 30% des früheren Marktpreises verloren“, mahnt Styriabrid GF Raimund Tschiggerl. Es gebe nun unsichere Versorgungskanäle, rückläufige Exportmärkte und Verschiebungen im Binnenmarkt. „Wir müssen von der Politik eine langfristige Strategie für Versorgungssicherheit einfordern! Die Kleinstrukturiertheit und Vielfältigkeit der steirischen Landwirtschaft hat sich in der Krise bewährt“, so Tschiggerl.

Weinbauer Bernhard Malli

Mit einer steiermarkweiten Informationsoffensive unter dem Motto „stark.regional“ holt die Landwirtschaftskammer Steiermark aktuell die Gesichter hinter der sicheren regionalen Lebensmittelversorgung vor den Vorhang. So etwa u.a. den Kitzecker Weinbauern Bernhard Malli vom „Steilsten Weingut Österreich“ in Einöd oder Schweinezüchterin Victoria Rumpf aus Neudorf bei St. Georgen an der Stiefing. Mit Texten wie „Unser Wein wächst nicht von allen“ oder „Unsere Tiere – Bei uns geht es ihnen gut“ und dem Konterfei von Bernhard Malli bzw. Victoria Rumpf auf Großplakaten und Transparenten an vielbefahrenen Straßen und frequentierten Plätzen in den Bezirken Deutschlandsberg und Leibnitz sollen Konsumenten zum Nachdenken anregen.

Wertschätzung für Bäuerinnen und Bauern

„Den Bäuerinnen und Bauern tut die Wertschätzung gut, die ihnen die Bevölkerung für die verlässliche und sichere Versorgung mit Lebensmitteln entgegenbringt. Das blieb zuvor unbemerkt und ist durch die schwierige Corona-Zeit erst richtig sichtbar geworden“, betonen die Kammerobmänner Christian Polz und Gerald Holler unisono. Mit der Kampagne will man die neue Partnerschaft zwischen Bauern und Bevölkerung weiter stärken.

„Unsere Bäuerinnen sind Botschafterinnen einheimischer Lebensmittel. Wir haben im Lockdown die Bevölkerung mit heimischem Mehl, Brot und Germ sowie Rezepten versorgt. Die Konsumenten haben so erfahren, wo unsere Produkte herkommen“, erinnert sich die Leibnitzer Bezirksbäuerin Grete Kirchleitner.
„Unsere Bauern waren beim Verkauf innovativ und haben zum Beispiel kontaktlose 24 Stunden-Selbstbedienung-Hofläden eingerichtet, die Konsumenten einen vor der Ansteckung mit dem Virus angstfreien Einkauf ermöglicht haben“, ergänzt die Deutschlandsberger Bezirksbäuerin Angelika Wechtitsch.

Unabhängige, krisensichere Versorgung

Die Protagonisten einer starken regionalen Lebensmittelversorgung unterstreichen, dass die Corona-Pandemie deutlich gezeigt habe, wie verwundbar internationale Lieferketten waren und wie wichtig die heimische Versorgung mit Lebensmitteln sei.  „Kurze regionale Lieferketten haben viele Vorteile und unsere Klein- und Mittelbetriebe mit ihrer Produktvielfalt sind krisenfest. Unsere Bäuerinnen und Bauern decken uns mehrmals am Tag den Tisch – und das auch in Krisenzeiten“, betonen die Kammerobmänner.

Die Stärken der Region

„Der Genussbezirk Leibnitz ist ein Hotspot für preisgekrönte Lebensmittel. Fast bei jeder Landesprämierung – von Wein über Fleisch, Brot und Käse bis hin zu Bränden und Mosten – stellt unser Bezirk die höchste Anzahl an Preisträgern. Die beliebten Buschenschänken, die Weinbauern, die vielen Zimmervermieter und Direktvermarkter beflügeln selbst in Krisenzeiten den kulinarischen Tourismus, verweist Holler auf den an bäuerlichen Spezialitäten reichen Genussbezirk Leibnitz.

„Unter erschwerten Bedingungen bewirtschaften Rinderbauern die Almen und das Grünland im Bezirk Deutschlandsberg, der zu 80 Prozent aus Berggebieten besteht. Würden es die Bauern nicht tun, müsste die öffentliche Hand allein für den Bezirk Deutschlandsberg jährlich 11,7 Millionen Euro aufbringen, wovon die Almpflege pro Jahr rund 1,8 Millionen Euro kosten würde“, rechnet Polz den Wert der Alm- und Grünlandpflege hoch.

Nachdenkliche Situation

„Im Sommer mit chinesischen Photovoltaikmodulen Strom zu erzeigen, der nicht gebraucht wird. Und im Winter mit nicht CO2 neutralem Atomstrom zu heizen, ist nicht sinnvoll, wenn der heimische Wald wegen eines fehlenden Energieholzmarktes nicht bearbeitet wird“, kritisiert Polz, und hält angesichts von durch Sturm und Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogenen Wäldern, eigenen starken Energieholzmarkt für dringend nötig.

Regionale Lebensmittel schaffen Arbeitsplätze

Die Land- und Forstwirtschaft in den Bezirken Leibnitz und Deutschlandsberg ist wichtiger regionaler Wirtschaftsmotor sichert sie doch insgesamt 8.097 Arbeitsplätze, also rund 16 Prozent aller Arbeitsplätze im Bezirk (Daten: Wifo, 2020). „Ein vermehrter Einkauf von heimischen Lebensmitteln schafft weitere Arbeitsplätze in der Region, kurbelt die regionale Wirtschaft an und schont Klima und Umwelt“, betonen Polz und Holler.

 Herkunftskennzeichnung für Fleisch, Eier und Milch

„Lebensmittel müssen nicht tausende Kilometer mit umweltschädigenden Flugzeugen und Schiffen zu uns gekarrt werden. Deshalb braucht die Bevölkerung Sicherheit bei der Lebensmittelherkunft, um garantiert heimische Lebensmittel zu bekommen“, geben die Kammerobleute zu bedenken. Polz und Holler fordern eine rasche Umsetzung der verpflichtenden Kennzeichnung von Speisen in Großküchen für Fleisch, Eier und Milch. Auch verarbeitete Lebensmittel müssten verpflichtend gekennzeichnet werden. Beide Kammerobmänner loben im Gegenzug jene Gastronomiebetriebe und Restaurants in den Bezirken, die schon freiwillig die Herkunft verarbeiteter Lebensmittel auf die Speisekarte schreiben.