Heimtiere, vor allem Kaninchen, nehmen als erstes Haustier für Kinder einen immer größeren Stellenwert ein.

Denn mit ihren langen Ohren, dem weichen Fell und den Kulleraugen sehen sie richtig niedlich aus. Gleichzeitig gelten sie als pflegeleicht, sozial und kostengünstig und scheinen auch sonst nur wenig Ansprüche an den Besitzer zu stellen. Leider stimmt dieses Bild mit der Realität nicht immer überein. Die Folge dieser Fehleinschätzung ist, dass viele Kaninchen nicht artgerecht gehalten werden.

Unsere Langohren brauchen viel Auslauf, sind gesellig und haben spezielle Ansprüche was ihren Magen-Darm-Trakt betrifft. Viele Krankheitssymptome resultieren aus falscher Fütterung und falschen Haltungsbedingungen. Auch in der Tierarztpraxis stellen Kaninchen eine besondere Herausforderung dar. Sie werden häufig mit bereits fortgeschrittenen Krankheitssymptomen vorgestellt. Denn sie zeigen als natürliche Fluchttiere kaum auffällige Symptome, sodass diese vom Besitzer erst sehr spät erkannt werden. Weiters wird aufgrund der geringen Anschaffungskosten eine weiterführende Behandlung oft abgelehnt.

Häufige Vorstellungsgründe in der Kleintierpraxis sind vor allem das Einstellen der Futteraufnahme (Inappetenz), kotverschmierter After mit Madenbefall, eitriger Nasenausfluss, Atemnot und Abszesse. Kieferabszesse und eitrige Zahnerkrankungen sind gehäuft auftretende Probleme. Primäre Ursachen sind neben genetisch bedingten Zahnfehlstellungen, vor allem Fütterungsfehler, die zu mangelndem Zahnabrieb und zur schlechten Mineralisierung der Zähne führen. In Folge kommt es zu einer Lockerung der Zähne durch unphysiologische Druckverhältnisse beim Kauvorgang. Sekundär können Keime in die Zahnfächer eindringen und eitrige Infektionen mit Auflösung des Kieferknochens entstehen.

Die Besitzerkommunikation ist speziell bei dieser Erkrankung von großer Bedeutung, da ein langwieriger Behandlungsweg, Reoperationen oder auch wiederkehrende Phasen von Inappetenz folgen können. Kaninchen brauchen in dieser Phase eine intensive medizinische Betreuung. Zur Diagnostik wird hierfür ein Röntgen des Schädels in mehreren Ebenen durchgeführt. Nur so können die Ausdehnung des Abszesses und das Ausmaß der Schädigung des Kieferknochens ersichtlich werden. Für die erfolgreiche Behandlung eines Kieferabszesses müssen die verursachenden Zähne gefunden und inklusive Abszesskapsel entfernt werden. Kaninchen werden mit einem geeigneten Antibiotikum und einem Schmerzmedikament versorgt. 

In Folge von Kieferabszessen bzw. Zahnerkrankungen können diese auch in die Augenhöhle durchbrechen, und es entstehen retrobulbäre (hinter dem Auge) Abszesse. In Ausnahmefällen muss sogar das betroffene Auge entfernt werden, um an die Abszesshöhle heranzukommen und um eine vollständige Ausheilung zu erlangen. Weitere Abszessformen, die beim Kaninchen auftreten können, sind Weichteilabszesse. Sie werden durch Bissverletzungen oder durch Eindringen von Fremdkörpern in die Haut verursacht.

Tierarzt Mag. Manfred BRANDL ist spezialisiert auf Kleintiere und betreut diese in seiner bestens ausgestatteten Tierklinik in Kaindorf.

www.kleintiermedizin-kaindorf.at