Ob die Kosten für Venenbehandlungen von der Krankenkasse übernommen werden, ist für Patientinnen und Patienten mit Venenanomalien eine häufige Frage. Wenn ein Eingriff medizinisch notwendig ist, ist es wichtig, die Kostenübernahme durch die Krankenkasse zu prüfen. Die meisten Kassen übernehmen solche Kosten, wie Dr. Salama im Gespräch mit CR Heribert Kindermann, MA erklärt.

Welche Rolle spielen die Kosten für die Behandlung von Venenproblemen? 

Dr. Salama: Die Venen sind für die Funktionsfähigkeit des Körpers von zentraler Bedeutung. Wenn die Venen in schlechtem Zustand sind, kann ihre Fähigkeit, das Blut zum Herzen zu transportieren, beeinträchtigt werden. Venenprobleme und -anomalien treten in der Regel mit zunehmendem Alter auf. Diejenigen, die darin nur ein ästhetisches Problem sehen, sind häufig der Meinung, dass eine ärztliche Behandlung aufgrund des Preises oder der damit verbundenen Beteiligung nicht notwendig sei. Venenprobleme können jedoch ein Anzeichen für eine ernstere Erkrankung sein, die unbehandelt den Kreislauf und die allgemeine Gesundheit gefährden kann. Daher ist es essenziell, bei Venenproblemen eine Venenuntersuchung durchführen zu lassen. 

Wer beurteilt, ob Venenprobleme medizinisch behandelt werden sollen?

Dr. Salama: Eine erfahrene Venenkoryphäe kann das Problem lokalisieren und entscheiden, ob eine medizinische Behandlung erforderlich ist, wenn Sie ein schmerzhaftes körperliches Symptom oder eine Venenanomalie haben. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann mit Ihnen einen geeigneten Zahlungsplan erstellen, wenn die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt, damit eine angemessene medizinische Behandlung möglich wird.

Was versteht man unter einer medizinisch notwendigen Behandlung?

Dr. Salama: Manche Venenerkrankungen können sich unbehandelt nachteilig auf die Gesundheit auswirken. Eine Behandlung, die erforderlich ist, um Gesundheit und Wohlbefinden zu schützen oder zu erhalten, gilt als medizinisch notwendig. So kann man etwa Anspruch auf Versicherungsschutz haben, wenn man unter unangenehmen oder unkomfortablen körperlichen Symptomen leidet, die durch Krampfadern hervorgerufen werden, wie Schwellungen, Druckempfindlichkeit oder Schweregefühl im betroffenen Bereich (häufig die Beine).

Mit einem Venen-Ultraschall lässt sich feststellen, ob eine Behandlung medizinisch notwendig ist. Eine schnelle Beurteilung  in der Praxis, ein so genanntes Venenscreening, kann die allgemeine Gesundheit und Qualität von Venen sowie versteckte Venenprobleme aufdecken, die das Wohlbefinden oder die Gesundheit gefährden könnten. 

Wann gelten Behandlungen von Venenproblemen als kosmetisch?

Dr. Salama: Venenbehandlungen gelten als kosmetisch, wenn sie durchgeführt werden, um Bedenken bezüglich Ihres Aussehens oder Ihrer ästhetischen Ziele auszuräumen. Solche Eingriffe sind medizinisch nicht notwendig, können aber durchgeführt werden, um psychische Probleme wie mangelndes Selbstbewusstsein oder Selbstvertrauen zu behandeln. Da die Behandlung jedoch nicht medizinisch notwendig ist, gilt das Verfahren als kosmetisch und wird höchstwahrscheinlich nicht von der Krankenkasse übernommen.

Eine Möglichkeit der finanziellen Entlastung besteht darin, sich einen Teil der Behandlungskosten über die Steuererklärung zurückzahlen zu lassen (außergewöhnliche Belastung). Hier kann eine Fachperson im Steuerwesen die Patientin oder den Patienten beraten, welche Vorschriften und Möglichkeiten es gibt, dies zu erreichen. Ein Problem ist, dass Verordnungen, die die Rückforderungen der Krankenkassen regeln, in Bezug auf moderne Venenbehandlungen ziemlich veraltet sind. Während 80 % der Kosten für die traditionelle Venenbehandlung von der Krankenkasse erstattet werden, ist aktuell nicht einmal ein Bruchteil der Kosten für eine Laserbehandlung gedeckt. Eine private Zusatzversicherung kann zwar helfen, doch ist hier die Deckung auf den ambulanten Bereich beschränkt.

Es wäre wünschenswert, dass in allen deutschsprachigen Ländern die privaten Versicherungspolizzen, die Venenbehandlungen abdecken, überprüft werden, sodass schließlich eine durchdachte und vernünftige Lösung auf Basis der aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse gefunden wird. Dann müssen sich Betroffene nur noch Sorgen um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden, nicht aber um die Finanzierbarkeit machen.

LBCL Chirurgie und Venenpraxis
Dr. Mohamed Salama

M.B.B.CH, Msc, Facharzt für Chirurgie
Kindermann-Zentrum
Dechant-Thaller-Straße 37/2/02, 8430 Leibnitz
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