Das Auftreten von Blutgerinnseln im Kontext mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff gegen COVID-19 hat zu einer Besorgnis bezüglich der Risiken für Menschen mit Krampfadern geführt, und zur Frage, ob eine Behandlung für Geimpfte noch möglich ist.

Wie wahrscheinlich ist es, eine Thrombose nach der COVID-19-Impfung zu bekommen?

Dr. Salama: Zwar wurde ein Zusammenhang zwischen dem Astra-Zeneca-Impfstoff und einer sehr seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkung namens Thrombose mit Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) festgestellt. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass COVID-19-Impfstoffe zu Blutgerinnseln führen, ist äußerst gering. Lediglich 4 von einer Million Menschen sind betroffen! Es wurde festgestellt, dass diese seltene Krankheit bei Menschen im Alter von 50 bis 59 Jahren häufiger auftritt und der Impfstoff von Pfizer wurde als bevorzugter Impfstoff für Menschen unter 60 Jahren empfohlen.

Ferner wurde empfohlen, dass Menschen aller Altersgruppen, die die erste Dosis des Astra-Zeneca-Impfstoffs erhalten haben und keine schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkungen hatten, eine zweite Dosis bekommen, während Menschen über 60 mit beiden Optionen (d. h. Astra-Zeneca oder Pfizer) sicher geimpft werden können.

Gibt es ein erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln nach einer Impfung gegen COVID-19 bei Krampfadern? 

Dr. Salama: Krampfadern erhöhen das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln in den Beinvenen, die dadurch entstehen, dass das Blut in die inkompetenten Venen zurücksackt oder dass sich die Venenwand aufgrund des umgekehrten Blutflusses ausdehnt.

Obwohl ein Zusammenhang zwischen dem AstraZeneca-Impfstoff gegen COVID-19 und Blutgerinnseln nachgewiesen wurde, ist die Zahl der Patientinnen und Patienten, die eine oberflächliche Venenthrombose in Krampfadern entwickeln, nicht signifikant gestiegen.

Das Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) unterscheidet sich von anderen Blutgerinnungsstörungen wie der tiefen Venenthrombose (TVT), da es durch die Reaktion des Immunsystems auf den Astra-Zeneca-Impfstoff gegen COVID-19 ausgelöst wird – es führt nicht nur zu einer Thrombose, sondern zusätzlich auch zu niedrigen Blutplättchenwerten. Das Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) tritt typischerweise etwa 4 bis 28 Tage nach der Impfung mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff gegen COVID-19 auf.

Dies bedeutet folglich, dass bei Menschen mit Krampfadern offenbar kein erhöhtes Thromboserisiko besteht, nachdem sie die Impfstoffe von Astra-Zeneca oder Pfizer erhalten haben.

Kann ich mich nach der Impfung noch einer Krampfaderbehandlung unterziehen?

Dr. Salama: Während bei der Behandlung von Venen durch Stripping oder unter Vollnarkose ein geringes Risiko für tiefe Venenthrombosen besteht, ist das Risiko einer oberflächlichen Venenthrombose bei einer endovenösen Laserbehandlung mit lokaler Betäubung deutlich geringer.

Es gibt keine Hinweise auf ein Risiko einer thrombotischen Erkrankung nach der COVID-19-Impfung bei Personen mit einer Vorgeschichte von Gerinnungsstörungen einschließlich Personen mit tiefer Venenthrombose und/oder Lungenembolie.

Die Angst vor Risiken aufgrund der COVID-19-Impfung im Zusammenhang mit Krampfaderbehandlungen ist folglich unbegründet, ein Aufschub der Behandlung sollte nicht erfolgen! Vielmehr können unbehandelte Krampfadern (vor allem größere) zu ernsthaften Komplikationen wie Hautausschlägen, Infektionen, Blutungen, Wunden und Blutgerinnseln führen.

Die LBCL Chirurgie & Venenpraxis empfiehlt, mindestens zehn Tage zwischen Impfung und Behandlung zu warten.

Überwiegen die Vorteile des COVID 19-Impfstoffs von AstraZeneca oder Pfizer die Risiken?

Dr. Salama: Beim Astra-Zeneca-Impfstoff liegt das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln bei 1 zu 1.000.000, während es bei der COVID-19-Erkrankung in 165.000 von 1.000.000 Fällen zu Blutgerinnseln kommt. Das bedeutet, dass bei Patientinnen und Patienten, die sich mit dem Coronavirus infizieren, ein viel höheres Risiko für Blutgerinnsel besteht als bei Geimpften.

Wenn Sie in der Vergangenheit andere Arten von Blutgerinnseln hatten oder wenn Sie Risikofaktoren für Blutgerinnsel haben, können Sie sich trotzdem mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca impfen lassen – es gibt keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Thrombozytopenie-Syndroms (TTS) bei den Personen dieser Kategorie.