Mit einem wilden Projekt will man in Zukunft Wald und Buschwerk in der Süd- und Weststeiermark zurückdrängen und damit eine vielfältige Kultur- und Naturlandschaft erhalten. Wilde Wiesen als vielfältige Lebensinseln sollen durch nachhaltige Landschaftspflege in der Südsteiermark erhalten bleiben und für ein natürliches Gleichgewicht sorgen.

Für die einen sind es wilde Gstätten ohne wirklichen Nutzen, für die anderen eine Bereicherung für Pflanzen, Tiere und Menschen. In Wahrheit ist es längst bekannt, dass die bunten Blumenwiesen der Südweststeiermark nicht nur eine Bereicherung fürs Landschaftsbild sind. Primär sind sie vor allem die so wichtigen Zentren der Artenvielfalt. 

Erhalt der Kultur- und Naturlandschaft

Die Südweststeiermark steht vor der großen Herausforderung, diese besonderen Kulturlandschaftselemente für die Zukunft zu erhalten. Besonders Blumen- und Mähwiesen zählen heutzutage zu den weniger ertragreichen und meist schwer zu bewirtschaftenden Flächen und verbrachen bzw. verwalden zusehends aufgrund geringer Wirtschaftlichkeit. 

Im Landschaftspark des Besucherzentrums Grottenhof, der quasi den Naturpark Südsteiermark im Kleinen widerspiegelt, stellten im Rahmen einer Pressekonferenz u.a. (v.l.n.r.) Obmann Bgm. Reinhold Höflechner, Landesrätin Mag.a Ursula Lackner, Kammerobmann Bgm. Christoph Zirngast, TV-Südsteiermark-Obmann Herbert Germuth, GF Melanie Koch und Regions- und Naturparkmanager Mag. Matthias Rode das Pilotprojekt „Landschaftspflege Südweststeiermark“ vor.

Langjährige Vorarbeit

Die Regionalmanagement Südweststeiermark GmbH hat in den letzten Jahren mit der ELER Naturschutzförderung sowie Fördermitteln aus dem StLREG ein Modell für eine nachhaltige Kulturlandschaftsentwicklung erarbeitet, um die ökologisch wertvolle Artenvielfalt und das attraktive Landschaftsbild für die nächsten Generationen zu sichern. Dank des Pilotprojekts „Landschaftspflege Südweststeiermark“ sollen in Zukunft artenreiche und bunte Blumenwiesen gepflegt werden. Deshalb wird an interessierte Wieseneigentümer in der Region die „Wilde-Wiesden-Prämie“ ausbezahlt, um die Flächen ökologisch nachhaltig zu bewirtschaften und für die Zukunft zu erhalten. Gestützt wird diese Maßnahme durch Projektfinanzierungen aus dem Referat für Naturschutz (A13) und dem StLREG der Region Südweststeiermark. 

Die Protagonisten des Vorzeigeprojekts „Landschaftspflege Südweststeiermark“ setzen sich engagiert für den Erhalt der Biodiversität in der Süd- und Südweststeiermark ein.

Erhalt gefährdeter Blumenwiesen

„Wir werden in den nächsten drei Jahren über die Regionalmanagement Südweststeiermark GmbH mit Projektförderungen aus dem Naturschutz und der Regionalentwicklung einen Schwerpunkt auf den Erhalt der sehr gefährdeten Blumenwiesen legen. Mit dem Pilotprojekt Landschaftspflege Südwesteiermark haben wir ein Rezept, um uns der Landschaftsveränderung und dem Artenrückgang in der Region erfolgreich entgegenzustellen“, verweist Naturpark Obmann Bgm. Reinhold Höflechner auf die landschaftliche Vielfalt der Südweststeiermark, die eine Besonderheit und Stärke sei, die es dringend zu erhalten gelte.

„Traditionelle Kulturlandschaften haben eine große Bedeutung für den Menschen. Neben der Versorgungs- und Freizeitfunktion haben sie auch eine große wirtschaftliche Bedeutung und sorgen für Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und im Tourismus. Ganz sicher unbezahlbar ist ihre ökologische Funktion als letzte intakte Lebensräume für Pflanzen und Tiere“, sieht auch Mag.a Ursula Lackner, die steirische Landesrätin für Natur- und Klimaschutz, in dem am Landschaftspark des Naturparkzentrum Grottenhof gestarteten Vorzeigeprojekts zahlreiche Vorteile und Chancen für die gesamte Region. 

Grundlage für ein gutes Leben in der Region

„Intakte Natur- und Kulturlandschaften sind die Grundlage für ein gutes Leben in der Region. Deshalb wollen wir gemeinsam in den nächsten Jahren noch mehr Eigentümer von Wiesen in der Region dabei unterstützen, ihre wertvollen Flächen zu erhalten und zu schützen. Die neu geschaffene Wilde-Wiesen-Pflegeprämie gibt eine wichtige finanzielle Anerkennung für die Pflege und Mahd ihrer Blumenwiesen“, unterstreicht Landersrätin Lackner die Sinnhaftigkeit des neuen Projekts. 

„Als Verantwortungsträgerin für unsere Südweststeiermark versuchen wir seit Jahren im Regionalvorstand zukunftsweisende Projekte umzusetzen. Wir haben erkannt, dass vor allem eine intakte und lebendige Kulturlandschaft die richtige Antwort auf den Arten- und Flächenverlust ist“, ergänzt LAbg. Mag.a Bernadette Kerschler, als Regionsvorsitzende-Stellvertreterin.

Für LAbg. Gerald Holler könne eine intakte und gepflegte Kulturlandschaft nur dort existieren, wo auch die Arbeit zur Bewirtschaftung für die Landwirtinnen und Landwirte wirtschaftlich lohnend sei.

Kleinstrukturierte Landwirtschaft stärken

Ins selbe Horn stößt Bgm. Christoph Zirngast als Obmann der Landwirtschaftskammer Leibnitz. „Diese Vielfalt nur dann möglich, wenn die kleinstrukturierte Landwirtschaft mit den vielen kleineren Betrieben weiter gestärkt werden. Das gelingt einerseits über den Kauf regionaler Produkte und andererseits über die Landschaftspflege Südweststeiermark“, so der Kammerobmann. Landwirtschaftliche Betriebe ab 1,5 ha würden in Zukunft noch stärker dazu animiert werden, die ihnen zustehenden EU-Gelder über das ÖPUL Naturschutzprogramm zu beantragen. 

Europaschutzbetreuerin Andrea Bund vom steirischen Naturschutz ergänzt weiter, dass es nun für Betriebe, die nicht ÖPUL-fähig sind bzw. für Bürgerinnen und Bürger, die keinen landwirtschaftlichen Betrieb haben, die „Wilde-Wiesen-Pflegeprämie“ geben werde. Ähnlich den ÖPUL-Fördersätzen wird pro Hektar ein Betrag (mit Erschwerniszulage bei steiler Hanglage) zur verpflichtenden Pflege der Wiesen ausbezahlt.

Landschaftspflege Südweststeiermark 

Landschaftspflege in der Südweststeiermark wird nun extra prämiert und gefördert. Foto: Naturpark_Südsteiermark

Vorsitzender Herbert Germuth vom Tourismusverband Südsteiermark möchte das Projekt ebenfalls unterstützen und bei der Vermarktung mithelfen, damit die Betriebe vor Ort davon erfahren, aber auch die Gäste noch bewusster die Natur unserer Erlebnisregion wahrnehmen könnten. 

Regions- und Naturparkmanager Mag. Matthias Rode geht es nun darum, in den nächsten Monaten die Bevölkerung darüber zu informieren, zu sensibilisieren und zum Mitmachen zu animieren. Deshalb werde es auch eine Roadshow mit informativen und interaktiven Stationen geben, die in den Gemeinden Halt mache. Neben informativen Artikeln und speziellen Foldern, finden interessierte Bürgerinnen und Bürger alle Informationen auf der Homepage www.landschaftspflege-suedweststeiermark.at. 

„Wichtiger Schritt mit Vorbildcharakter!“

„Das steirische Pilotprojekt ‚Landschaftspflege Südweststeiermark‘ ist ein wichtiger Schritt mit Vorbildcharakter. Ich wünsche allen Beteiligten alles Gute und den Südweststeirerinnen und Südweststeirern die nötige Freude und Ausdauer bei der Pflege und Mahd von unzähligen Margeriten, Glockenblumen, Flockenblumen und vielen anderen bunten Augenweiden auf ihren Wiesen“, gibt sich Landesrätin Lackner überzeugt.

Ansprechpartner

Wer sich für das Projekt „Landschaftspflege Südweststeiermark“ interessiert, meldet sich bei GF Mag. Matthias Rode im Naturpark Südsteiermark, Grottenhof 1, 8430 Leibnitz, T 03452 | 71305. Mobil: 0664 | 88524705 oder per E-Mail: m.rode@naturpark-suedsteiermark.at