Ein Abschied mit Würde: Leibnitz verabschiedet sich von seiner historischen Stadtlinde
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Sie hat Kriege überstanden, Generationen im Wandel der Zeit begleitet und war über Jahrhunderte hinweg ein Wahrzeichen der Stadtgemeinde: Die historische Stadtlinde von Leibnitz hat das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Mit schätzungsweise 270 Jahren ist die majestätische Winterlinde, die seit 1953 im Besitz der Stadtgemeinde steht, so stark geschwächt, dass sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss. Die Löschung aus dem Naturdenkmalbuch bei der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz ist bereits angesucht. Um dem Baum einen würdigen Abschied zu bereiten, lädt man gemeinsam mit der Pfarre Leibnitz am 5. Juli 2026 zu einem feierlichen Verabschiedungsakt. Im Herbst wird eine neue Linde gepflanzt.
Rettungsversuch blieb ohne Erfolg
Das Fällen der Linde ist die Konsequenz eines gescheiterten Rettungsversuchs. Ein Gutachten der Österreichischen Bundesforste hatte zuvor alle Erhaltungsmöglichkeiten ausgelotet. Trotz intensiver Maßnahmen wie Wurzelbelüftung und einer Bewässerungsaktion der Feuerwehr, bei der rund 103 Kubikmeter Wasser in den Stamm geflossen sind, trieb die Linde im Frühling nicht mehr aus. Um zu verhindern, dass der hohle Baum zu einem Sicherheitsrisiko wird, sind erste Sicherungsmaßnahmen bereits für die kommenden Tage angesetzt.
Ein neuer Baum für die Zukunft
Für Pfarrer Anton Neger hat die Linde einen festen Platz in der Gemeinschaft: „Dieses Naturdenkmal hat weit über zwei Jahrhunderte lang Generationen von Menschen geprägt. Die Linde spendete Schutz und Schatten über unzählige festliche Anlässe. Sie wird fest in den Erinnerungen der Leibnitzerinnen und Leibnitzer bleiben.“ Wie Peter Paulitsch, Leiter der Abteilung Technik & Verkehr, berichtet, soll der historische Platz nicht leer bleiben. Die Stadtgemeinde sucht derzeit nach dem größten verpflanzbaren Baum. Die Neupflanzung ist für diesen Herbst vorgesehen. „Dieser alte Baum war Zeitzeuge über die Geschichte von Leibnitz. Eine respektvolle Verabschiedung ist mir ein persönliches Anliegen, ebenso dass uns eine neue Linde die nächsten Jahrhunderte begleitet“, betont Bürgermeister Daniel Kos.
Die Linde als Namensgeberin der Stadt
Die Bedeutung der Linde reicht tief in die Gründungsgeschichte der Region zurück: Im 7. und 8. Jahrhundert siedelten sich Slawen am Frauenberg an und tauften den Ort „Lipnizza“ – abgeleitet von der Linde (lipa), ihrem heiligen Gerichtsbaum. Daraus entwickelte sich der heutige Name Leibnitz, der im Jahr 970 erstmals in einer Kaiserurkunde erwähnt wurde. Auch der heutige Stadtteil Linden erinnert noch an die historischen Wurzeln von Leibnitz, das am 27. April 1913 von Kaiser Franz Joseph I. zur Stadt erhoben wurde.
Feierlicher Verabschiedungsakt am 5. Juli 2026
Alle Leibnitzer sind eingeladen, gemeinsam Abschied zu nehmen. Der Festakt findet am Sonntag, dem 5. Juli 2026, gegen 11:00 Uhr im direkten Anschluss an die Heilige Messe (10:00 Uhr) statt und wird musikalisch umrahmt. Danach laden das Pfarrcafé und eine Agape zum gemeinsamen Erinnern ein.



