Bei der Landwirtschaftskammer Steiermark schrillen die Alarmglocken! LWK-Präsident Franz Titschenbacher spricht von „einer umweltpolitischen Bankrotterklärung durch die EU“, wenn Atomenergie und Gas im gleichen Atemzug als grüne Technologie eingestuft werden, während die Waldbauern künftig kein Energieholz mehr für die Energiewende bereitstellen sollen und die bisherige Nutzung mittelfristig sogar reduzieren müssen. 

Am Mittwoch, dem 14. September 2022, schreiten die EU-Parlamentarier zu einer folgenschweren Abstimmung über die heimische Forstwirtschaft. Unterm Strich geht es dabei darum, dass die Waldbauern künftig kein Energieholz mehr für die Energiewende bereitstellen sollen und, dass sie die bisherige diesbezügliche Nutzung mittelfristig sogar reduzieren müssen. Denn Holzbiomasse, die zukünftig vom Wald direkt ins Biomasseheizwerk geht oder für die Beheizung von bäuerlichen Wohnhäusern, Ställen oder Gebäuden verwendet wird, soll den Status als erneuerbarer Energieträger verlieren. #

Umweltpolitische Bankrotterklärung?

„Wir sind strikt gegen diese Richtlinie. Das ist eine umweltpolitische Bankrotterklärung. Das ist unfassbar, es fehlt jeglicher Hausverstand“, so Titschenbacher. „Biomasse deckt europaweit rund 60 Prozent der Erneuerbaren ab, ohne Biomasse geht es nicht. Der Kompromisstext, der uns jetzt vorliegt, kann so auf keinen Fall unterstützt werden und würde unsere Energiesouveränität konterkarieren. Ich arbeite auf Hochtouren, um auf europäischer Ebene noch Verbesserungen für die Nutzung von forstlicher Biomasse zu erreichen“, ergänzt EU-Abgeordnete Simone Schmiedtbauer.

Vernachlässigt EU Transparenz?

Völlig unverständlich erscheint der Landwirtschaftskammer, dass derartige Gesetzesvorlagen intransparent und geheimnisvoll von statten gehen sollen. Denn die EU-Parlamentarier stimmen über die Energie Richtlinie RED III ab, über einen Rückbau der Wärmegewinnung aus Biomasse war bei den begleitenden Verhandlungen jedoch niemals die Rede – erst in letzter Sekunde wurde diese Thematik aufs Tapet gebracht. 

In diesem Zusammenhang droht Österreich sogar ein Vertragsverletzungsverfahren. Da Österreich in der Wärmeversorgung stark auf klimafreundliche Biomasse aus Holzreststoffen setzt – der Anteil liegt bei 54 Prozent – droht unserem Land womöglich ein EU-Vertragsverletzungsverfahren, fürchtet man bei der Landwirtschaftskammer. Österreich würde nämlich ohne nachwachsende Reststoffe aus Holz für die Wärmegewinnung die EU-Klimaziele verfehlen.

„Nein zu schleichenden Enteignung der Waldbesitzer!“ 

Konkret schaut die Gesetzesvorlage so aus, dass die direkte Nutzung von Biomasse aus dem bäuerlichen Wald durch die Waldeigentümer eingefroren wird und bis 2030 auf eine von der EU-Kommission noch vorzuschlagende Grenze reduziert werden soll.

„Obwohl wir angesichts der massiven Energiekrise dringend mehr klimafreundliche Wärme aus Waldbiomasse benötigen, steht diese auf mehr als wackeligen Beinen. Geht die Abstimmung im EU-Parlament am Mittwoch negativ für die Waldbiomasse aus – allein aus dringend notwendigen Durchforstungsmaßnahmen schlummern in den steirischen Wäldern enorme Mengen an Waldbiomasse für die Wärmeerzeugung – dann steht die Weiterentwicklung der seit Jahrzehnten aufgebauten bäuerlichen Biomasse-Wärmenetze vor dem Ende“, fürchtet Titschenbacher und betont: „Nein zu dieser schleichenden Enteignung der Waldbesitzer und bäuerlichen Heizwerksbetreiber! Wir wehren uns mit aller Kraft dagegen!“

Zahlen und Fakten.

In der Steiermark versorgen aktuell 600 Biomasseheizwerke über 100.000 Haushalte mit Wärme auf Basis von Biomasse aus dem bäuerlichen Kleinwald. Sie leisten somit einen unverzichtbaren Beitrag zur sicheren, leistbaren und klimafreundlichen Energieversorgung der Steiermark. Insgesamt heizen in der Steiermark 230.000 Haushalte mit dem klimaneutralen Rohstoff Holz und mit biogenen Reststoffen aus dem Wald.