Zu Unrecht wurden die heimischen Rinderbauern in den Sog der Klimadebatte gezogen. Die steirischen Fleischermeister-Betriebe und Rinderbauern gehen nun gemeinsam mit den Bezirksbäuerinnen in die Offensive und wehren sich gegen die Behauptungen.

„Weil es gerade in den letzten Monaten immer wieder negative Schlagzeilen gab, ist es uns ein Anliegen, zu dem Thema Stellung zu beziehen“, eröffnete Gerald Holler, Kammerobmann der Bezirkskammer Leibnitz und ÖVP-Kandidat für die Landtagswahl, eine Pressekonferenz anlässlich des Tags des Rindfleisches. „Die heimischen Rinderbauern leisten einen wichtigen Beitrag, dass klimaschonend herangewachsenes, hochwertiges Rindfleisch mit kurzen Transportwegen auf unsere Teller kommen kann.“

„Bei uns herrschen die höchsten Standards“

Angesichts der Klima-Debatte würden sich die Bauern vor den Kopf gestoßen fühlen. Rindermäster Hannes Zach, der seinen Betrieb mit rund 200 Rindern in Gralla führt, erklärt, dass gerade in Österreich hohe Standards in der Rinderhaltung herrschen. „Bei uns herrschen die höchsten Standards von der Geburt bis zum Tod der Rinder. In Südamerika werden Rinder vorrangig mit Kraftfutter ernährt, bei uns bekommen sie vorwiegend Gräser und Heu zum fressen. Das Grünland ist die Heimat der Rinder.“
Im EU-Durchschnitt werden 22 Kilogramm CO2 pro Kilo Rindfleisch produziert, in Südamerika sind es 80 Kilogramm. Noch hinzu kommt das CO2, das durch den langen Transportweg verursacht wird. „In Österreich sind wir Vorreiter, bei uns werden nur 14 Kilogramm CO2 pro Kilo Rindfleisch produziert“, so Zach, der in der Stärkung der Regionalität die Lösung des Problems ortet. Von den Gastronomiebetrieben würde er sich wünschen, dass diese die Herkunft ihres Fleisches deklarieren würden.

„Wir sind ein Genussland, das müssen wir am Leben halten“

Dem pflichtete auch Fleischermeister Erich Brand bei, der ebenfalls betonte, dass gerade die Steiermark keinen internationalen Vergleich scheuen müsse. „Wir sind sehr auf Qualität bedacht. Wir müssen uns selbst in der Region stärken, sonst sterben wir irgendwann aus. Wir sind ein Genussland und das müssen wir am Leben halten, damit wir nicht irgendwann auf weitgereistes Fleisch angewiesen sind“, so Brand. Sein Wunsch: „Wir sollten Fleisch bewusster essen, dafür verstärkt auf die Qualität achten.“ Dem stimmte die Leibnitzer Bezirksbäuerin Grete Kirchleitner zu und beklagte, dass Konsumenten oft nur auf den Preis, statt auf die Qualität, achten würden. „Wir leben immerhin von dem, was wir konsumieren“, pflichtete ihre Kollegin Johanna Aust, Seminarbäuerin, bei.

Rindfleisch-Store-Check lieferte bedenkliche Ergebnisse

Gerald Holler richtete abschließend noch einen Appell an alle Konsumenten: „Sie sollen im Gasthaus nachfragen, woher das Fleisch kommt“. So könne vielleicht bewirkt werden, dass auch in der Gastronomie die Herkunft des Fleisches deklariert wird. Der Tag des Rindfleisches wurde von der Landwirtschaftskammer ins Leben gerufen und soll Konsumenten auf die Problematik aufmerksam machen. Gerade der kürzlich veröffentlichte Rindfleisch-Store-Check, aus dem hervorgeht, dass die Regale im Großhandel zu 40 bis 50 Prozent mit Importfleisch gefüllt sind, gebe Anlass zu einem Umdenken. „Die Seminarbäuerinnen verführen deshalb am 22. und 23. November in 14 Fleischermeister-Betrieben die SteirerInnen zu einer Rindfleisch-Geschmacksreise, informieren über den Mehrwert des heimisches Rindfleisches und geben auch Tipps zur Zubereitung“, so Johanna Aust.

Weitere Infos und Termine zur Aktion der Betriebe: www.stmk.lko.at

Im Bild (oben): Erich Brand, Gerald Holler, Johanna Aust, Hannes Zach, Claudia Doppler und Grete Kirchleitner.