Die Stadtgemeinde Leibnitz eröffnet gemeinsam mit der Regionalmanagement Südweststeiermark GmbH am 12. Mai 2021 im Alten Kino Leibnitz, die vom Architekturzentrum Wien kuratierte Ausstellung Boden für Alle“. 

Die vom Architekturzentrum Wien kuratierte Ausstellung tourt nach dem Auftakt in Leibnitz zwei Jahre lang durch ganz Österreich. Der Regionalmanagement Südweststeiermark GmbH und der Stadtgemeinde ist es gelungen, die bewusstseinsbildende Schau im Zuge des Projektes „(Bau)Kultur und Archäologie Südweststeiermark“ zu allererst nach Leibnitz zu holen. 

Obwohl der Boden unser kostbarstes Gut ist, hat der sorglose Umgang mit dieser wertvollen Ressource in den vergangenen Jahrzehnten Gestalt und Funktion unserer Städte und Dörfer massiv verändert. Die Ausstellung Boden für Alle“ möchte beim Besucher das Bewusstsein für die Problematik wecken und den zunehmenden starken Bodenverbrauch veranschaulichen, vor allem aber aufzeigen, dass uns das Thema alle angeht.

Stimmen zur Ausstellung

Am Tag bevor die interessante Ausstellung die Pforten für alle geöffnet hat, haben die Veranstalter zur Eröffnungsfeier und zu einem Pressegespräch eingeladen. LEIBNITZ AKTUELL war dabei überhaupt als einziges Pressemedium vor Ort persönlich durch Chefredakteur Heribert Kindermann vertreten.
„Dem Thema Bodenverbrauch müssen wir uns auf kommunalpolitischer Ebene stellen. Das Besondere an der Ausstellung ist die wertfreie Herangehensweise an das Thema“, so NRAbg. Bgm. Joachim Schnabel. Dem Ortschef von Lang geht es vor allem um das Bewusst machen des historischen Hintergrunds und zukünftiger Entwicklungen.

„Die Südweststeiermark ist eine vielfältige Region. Man muss den Kernraum von Leibnitz und Deutschlandsberg und die aus der Tradition heraus zersiedelten Gebiete genauer ansehen und sich fragen, wie wir in Zukunft weiter tun wollen?“, ergänzte LAbg. Bernadette Kerschler. Infrastruktur, Verkehr und Energiegewinnung sind für die Abgeordnete die zentralen Schwerpunkte der Zukunft.

„Die Bodennutzung ist ein großes Thema der Solidarität. Wir alle müssen bei unserem Handeln an die nächste Generation denken. Wir müssen ein Bewusstsein schaffen, was es bedeutet, wenn wir beispielsweise ein Einfamilienhaus haben wollen. Müssen es gleich zwei Pools sein?“, meint Vizebgm. Mag. Helga Sams, die auch Gemeinderäte zur Ausstellung einladen will.

„Alle sind von negativen Effekten betroffen!“

„Die Diskussion über das Thema Bodenverbrauch im Rahmen der Wanderausstellung ist enorm wichtig. Viele profitieren am Flächenverbrauch, aber wir alle sind von den negativen Effekten betroffen. Der Klimawandel beeinflusst uns und die nächste Generation massiv!“, mahnt Ausstellungskuratorin Karoline Mayer. Beim unangenehmen Thema Bodenverbrauch sei die Politik gefordert und zu unterstützen, so Mayer. „Wir müssen uns bewußt sein, welche Verantwortung jeder einzelne trägt. Daher zeigen wir in dieser Ausstellung nicht nur eine Bestandsaufnahme der Raumplanung in Österreich, sondern auch internationale Beispiele für gute Raumplanung und Ideenreichtum auf“, erläutert die Kuratorin. Die fortschreitende Versiegelung von Boden trägt, so Mayer, zur Klimakrise bei, während Spekulation und Hortung von Grundstücken das Wohnen verteuern, den öffentlichen Raum bedrohen und eine vernünftige Verkehrspolitik erschweren. 

Die nackten Zahlen

Die Zahlen sind wahrlich Besorgnis erregend. So nimmt in Österreich die Verkaufsfläche in Einkaufszentren und Fachmarktzentren pro Stunde um 5,39 Quadratmeter zu (Quelle: KMU Forschung Austria, Strukturanalyse im stationären Einzelhandel 2018). In Österreich werden pro Stunde 2,63 neue Gebäude fertig gestellt (Quelle: Statistik Austria, 2018) und gehen pro Minute 30,8 Quadratmeter Ackerfläche verloren (Quelle: Statistik Austria, Anbau auf dem Ackerland, 2018 und 2019).

Zudem steigt in Österreich der Wert von gewidmeten, aber nicht bebautem Bauland pro Sekunde um 745,78 Euro (Quelle: Statistik Austria, Baugrundstückspreise Österreich, 2019). Die Bevorratung von Bauland und die Spekulation damit zeigt auch, dass in der Steiermark der Anteil am gewidmeten, aber nicht bebauten Bauland am gesamten Bauland 29,3 Prozent beträgt. Kein Wunder also, dass in der Zeit von 2015 bis 2019 in Österreich der Bodenpreis um 77,8 % gestiegen ist.

„Große Fonds investieren in Boden. Private Vorsorge befeuert den Kostenanstieg des Bodens. Das führt zu weiterer Baulandhortung und Zersiedelung“, warnt Kuratorin Mayer.

In Österreich werden pro Minute 37,44 Quadratmeter Boden versiegelt (Quelle: Umweltbundesamt, Entwicklung des jährlichen Bodenverbrauchs in Österreich, 2019).

Öffnungszeiten „Boden für alle“

Im Rahmen der dreiwöchigen Ausstellungszeit (12. bis 29. Mai 2021) im Alten Kino Leibnitz, Bahnhofstraße 16, sollen neben Verantwortungsträgern auch Bürger und vor allem Lehrer und Schüler eingeladen sein, die Ausstellung zu besuchen. 
Geöffnet ist die selbst erklärende und frei sowie ohne Führung zugängliche Ausstellung „Boden für alle“ jeweils Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr und am Samstag von 10 bis 14 Uhr. An Feiertagen bleibt die Ausstellung geschlossen! 

Unser Tipp: Hingehen, anschauen und vor allem darüber nachdenken, was wir alle in Zukunft besser machen könnten!