14. Internationales Jazzfestival Leibnitz

Jazz & Wein
24. - 27. September 2026
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Schloss Seggau - Kulturzentrum Leibnitz - Schloss Ottersbach
Südsteiermark
Artistic Director: Otmar Klammer
Donnerstag, 25. September – Schloss Seggau, 19:00 Uhr:HAEZZ (A)
Martin Eberle – trumpet, Stepan Flagar – saxophone, Tobias Vedovelli – bass
Dieses Trio hat eingeschlagen und ist seit einigen Jahren ein Renner in der österreichischen Jazzszene. Einmal klingt das Trio wie eine komplette Big Band auf Diät, mal wie ein philosophisches Gespräch um drei Uhr morgens – nur deutlich besser organisiert. Virtuose Improvisationen treffen auf überraschende Grooves, lyrische Melodien auf humorvolle Schlenker und musikalische Risikobereitschaft auf blindes gegenseitiges Vertrauen. Mit Martin Eberle an der Trompete, Stepan Flagar am Saxofon und Tobias Vedovelli am Bass lotet HAEZZ die Grenzen zwischen Jazz, Kammermusik und spontaner Klangakrobatik aus. HAEZZ spielt Musik, die gleichzeitig Kopf, Herz und Hüfte beschäftigt – und gelegentlich auch die Lachmuskeln. Oder kurz gesagt: Drei Musiker. Zwei Blasinstrumente. Ein Bass. Null Sicherheitsnetz. Viel Spaß.
KIRK KNUFFKE TRIO & CHARLIE BURNHAM (US)
Kirk Knuffke – cornet, Stomu Takeishi – bass, Bent Clausen – drums; Charles Burnham – violin
Rhythmisch präzise und voller Anmut – Kirk Knuffkes Musik spiegelt seine facettenreiche Persönlichkeit wider: teils musikalischer Intellektueller, teils Jazzphilosoph, ein Autodidakt mit vielfältigen Interessen, unstillbarer Neugier und einer Fülle an Humor.
„Window“ heißt nun das neue Album des virtuosen Kornettisten. Es präsentiert sowohl seinen unverwechselbaren Stil als Instrumentalist als auch eine selten gehörte vokale Facette seines Könnens. Gemeinsam mit dem Bassisten Stomu Takeishi und dem dänischen Schlagzeug-Veteranen Bent Clausen bietet Knuffke eine 13-Track-Exploration im Bereich des Jazz-Minimalismus. Diese Musik hat Space, ist weitläufig und unaufgeregt, eine geduldige Trio-Aufnahme, die durch ihren atmenden Klang berührt.
Der vielfach gefeierte Kornettist zählt seit Jahren zu den spannendsten Stimmen der New Yorker Jazzszene und verbindet spielerische Virtuosität mit einer seltenen erzählerischen Tiefe. Knuffke hat mit den Größen der Musikszene zusammengearbeitet, von Tootie Heath, Frank Kimbrough und Karl Berger bis hin zu Myra Melford, Billy Hart und William Parker. Neben seiner Tätigkeit im Matt Wilson Quartett ist Knuffke Mitglied des Boom Tic Boom Sextetts der Schlagzeugerin Allison Miller und des Quartetts des Gitarristen Charlie Hunter.
Mit Charles Burnham (u. a. James Blood Ulmer, Cassandra Wilson, Steve Swell, Steven Bernstein) erweitert sich dieses Klangspektrum um eine weitere klangliche Dimension. Sein unverkennbarer Geigenton, geprägt von Jazz, klassischer Musik und afroamerikanischen Traditionen, verleiht dem Ensemble eine besondere emotionale Tiefe. Burnham gehört zu den großen Individualisten seines Instruments und ist bekannt für seine Fähigkeit, afrikanische Geschichten auf der Geige zu singen.
Das Kirk Knuffke Trio & Charlie Burnham versprechen ein Konzert voller Spielfreude, Klangfantasie und jener magischen Momente, in denen aus kleinen Ideen und Nuancen eine berauschende Expedition zwischen Jazz, Folk und freier Improvisation entsteht.
Freitag, 25. September – Carl Rotky-Saal, 10:00 & 15:00 Uhr:JAZZ FOR KIDS
Freitag, 25. September – Hugo Wolf-Saal, 19:30 Uhr:SONIC ORGANISM & GREG OSBY (CH/F/US)
Greg Osby – sax, João Barradas – accordion, François Moutin – bass, Florian Arbenz – drums
Das Conversation Lab ist eine kollaborative Musikplattform des Schweizer Jazzschlagzeugers Florian Arbenz, die internationale Musiker aus verschiedenen Genres und Generationen zusammenbringt, um spontane und intuitive Musik in analogen Räumen zu schaffen. Die Zusammenarbeit basiert auf konzentriertem Zuhören und kreativem Austausch, meist mit wechselnden, unkonventionellen Besetzungen.
In dieser brandneuen, internationalen Zusammenarbeit präsentiert Arbenz, ohnehin längst ein amtsbekannter kreativer und sehr gefragter Schlagwerker, nun gemeinsam mit dem portugiesischen Akkordeon-Star João Barradas, der US-Saxofonlegende Greg Osby und dem französischen Bassisten François Moutin das etwas ungewöhnlich besetzte Quartett Sonic Organism, das Musiker vereint, deren rhythmisches Konzept, harmonische Vision und offenes Spiel einen sehr eindrucksvollen und unverwechselbaren Klang evozieren.
Herausragend dabei freilich Greg Osby, der seit Mitte der 1980er-Jahre zu den prägendsten Altsaxofonisten des modernen Jazz zählt. Sein Stil verbindet komplexe, oft asymmetrische Melodielinien und anspruchsvolle harmonische Konzepte mit einer klaren, präzisen Tongebung und rhythmischer Flexibilität.
Technisch zeichnet er sich durch eine außergewöhnliche Kontrolle des Instruments, eine differenzierte Artikulation und einen improvisatorischen Ansatz aus, der Einflüsse des Bebop, des Avantgarde-Jazz und zeitgenössischer Kompositionsmethoden miteinander verbindet.
Die Fahrt geht wohl vom kraftvollen Swing und virtuosen Soli bis hin zu intimen Improvisationen und verwunschenen Klanglandschaften.
ANDROMEDA MEGA EXPRESS ORCHESTRA (D)20th Anniversary
Daniel Glatzel – compositions, arrangements, tenor saxophone; Laure Mourot – flutes, Oliver Roth – flutes, Sonja Horlacher – flutes, Anna Viechtl – harp, Evi Filippou – vibraphone, Valentin Gerhardus – synthesizer, electronics, Arne Braun – guitar, Kalle Zeier – guitar, Matthias Pichler – double bass, Marius Wankel – drums
Trifft’s irgendwie: „Europe’s answer to the Sun Ra Arkestra, without the robes“, hat das britische Uncut Magazine einmal festgestellt. Und das extrem vielfältige und bunte Spektrum von Jazz, traditionellen Musikstilen aus aller Welt, Avantgarde, Independent und Electronica ist für diesen Vergleich schillernd und turbulent genug, auch wenn sich das Ensemble in letzter Zeit mehr einer elektronischen Ästhetik annähert. Dennoch bewahrt es konsequent seine geradezu magische Intensität und Tiefe. Mit dem aktuellen Repertoire untermauert das Andromeda Mega Express Orchestra (AMEO) jedenfalls seine Ausnahmestellung zwischen allen Stilen und Formaten.
Im Jahr 2006 in Berlin gegründet, gilt das AMEO mittlerweile als eines der eigenwilligsten Großensembles Europas. Nach vier gefeierten Alben und über 250 Konzerten in 25 Ländern auf vier Kontinenten ist es derzeit ein elfköpfiges Kammerorchester, das sich flexibel erweitern kann. Es spielt vorwiegend Kompositionen seines Gründers, des Tenorsaxofonisten Daniel Glatzel, die stets musikalische Grenzen überwinden und klingen, als ob sie zu einem völlig eigenen Subgenre gehören.
Das AMEO hat u. a. mit Anthony Braxton, Hermeto Pascoal, indigenen Musikern aus Malawi, The Notwist, Efterklang und der Sinfonietta Riga zusammengearbeitet und in Eigenregie auch mehrere Festivals produziert. Der illustre Haufen wurde 2021 als erster Preisträger des Deutschen Jazzpreises für Großes Ensemble gekürt, 2024 erneut als „Ensemble des Jahres“ nominiert und 2025 wiederum als „Live-Act des Jahres“ ausgezeichnet.
In diesem Jahr feiert das Ensemble nun sein 20-jähriges Betriebsjubiläum mit mehreren Sonderprogrammen und auf Tourneen in Europa und Ostasien.
Und sein erstes Österreich-Konzert überhaupt!
Freitag, 25. September – Altes Kino, 23:00 Uhr:MONK’S CASINO (D)
Axel Dörner – trumpet, Rudi Mahall – bass clarinet, Alexander von Schlippenbach – piano, Jan Roder – bass, Michael Griener – drums
Dieses Spielcasino ist schon heute ein legendäres Projekt des nicht minder legendären deutschen Pianisten Alexander von Schlippenbach. Es ist das erste Projekt, das das gesamte musikalische Erbe der Bebop-Legende Thelonious Monk vereint.
Das Quintett rund um Schlippenbach nähert sich Monks Kompositionen auf unkonventionelle Weise. Die einschlägig bekannten Musiker, die vor allem im Free Jazz beheimatet sind, halten sich nicht lange an traditionelle Soli, sondern spielen Monks kantige, markante Themen rasant und kollektiv zusammen.
Die gleichnamige 3-CD-Box wurde seinerzeit in zwei Sessions im Berliner Jazzclub A-Trane live eingespielt und erschien 2005 – na, wo schon? – beim Schweizer Label Intakt Records. Darauf finden sich alle 70 bekannten Kompositionen des legendären Pianisten – mittlerweile längst selbst ein Kultobjekt der improvisierten Musik. Das Quintett spielt bei seinen Live-Konzerten freilich eine Auswahl dieser Sammlung – das vollständige Programm würde immerhin rund sechs Stunden dauern.
Samstag, 26. September – Café Rosegger/Hauptplatz, 11:00–18:00 Uhr:JAZZ LOUNGE –
Samstag, 26. September – Hugo Wolf-Saal, 19:30 Uhr:TRIPLE DOUBLE (DK/S)
Anders Jormin – double bass, Thomas Markusson – double bass, Morten Toftgaard Ramsbøl – double bass
Zwei Schweden und ein Däne – drei der führenden Kontrabassisten Skandinaviens verbindet eine tiefe Liebe zum „tiefsten Baum im Wald“, dem Kontrabass, sowie zur Improvisation. Darüber hinaus haben ECM-Gallionsfigur Anders Jormin (u. a. Charles Lloyd, Bobo Stenson), Thomas Markusson (u. a. Lee Konitz, Joona Toivanen) und Morten Ramsbøl (u. a. Didier Lockwood, Ulf Wakenius) eine enge Verbindung zur nordeuropäischen Jazztradition, in der der Kontrabass nicht nur Begleitinstrument, sondern gleichberechtigter melodischer Partner ist. Dieses Exklusivkonzert bietet also eine seltene Gelegenheit, die drei tiefgründigen, virtuosen Instrumentalisten – alle auch profilierte Pädagogen und Komponisten – in einem einzigartigen Zusammentreffen zu erleben. Eine Österreichpremiere!
KOKO TRIO (J)
Taiko Saito – marimba, Niko Meinhold – piano, Moritz Baumgärtner – drums
Jazz einmal ganz etwas anderes. Im Grunde spielen hier drei Percussionisten, und alle drei stehen für Virtuosität und Klangkunst. Das Koko Trio rund um die japanische Marimba-Spielerin Taiko Saito vereint drei herausragende Musiker, die für ihre innovativen Beiträge mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurden. Taiko Saito, Niko Meinhold und Moritz Baumgärtner erschaffen gemeinsam eine musikalische Welt, in der sich Jazz, zeitgenössische Musik und freie Improvisation auf fragil-subtile Weise miteinander verzahnen. Oder buchstäblich verschmelzen, synergetisch gar, denn verbinden allein ist es nicht. Dieses Trio klingt wie eine musikalische Entdeckungsreise, bei der niemand genau weiß, was hinter der nächsten Kurve kommt. Sounds, die mal verträumt, mal geheimnisvoll und manchmal einfach mindblowing wirken. Ihre Technik ist next level, ihr Klanguniversum weit und tief und ihre Textur dicht wie ein Ghom-Seidenteppich.
RAMON VALLE TRIO & MAITE HONTELE (CU/NL)
Ramón Valle Sánchez – piano, Yandy Martinez – bass, Rodney Barreto – drums; Maite Hontelé – flugelhorn
Einmal Duo, einmal Trio und einmal Quartett. Ramón im Duo mit der niederländischen Flügelhornistin Maite Hontelé, im Trio mit seinen Kubanern und im Quartett mit dem ganzen Haufen. So will es unsere Dramaturgie. Danke, Ramón!
Wer Ramón Valle einmal live erlebt hat, versteht, warum er als einer der ausdrucksstärksten und originellsten Pianisten der afro-kubanischen Jazzszene gilt. In Kuba geboren, klassisch ausgebildet und vom Jazz geprägt, ist er auf großen internationalen Bühnen aufgetreten und hat mit Musikern wie Roy Hargrove, Marcus Miller und Chucho Valdés zusammengearbeitet. Er erhielt viele Auszeichnungen, darunter einen Cubadisco für sein Album The Art of Two. Dieser Mann verkörpert seine Musik! Ob im Orchester, seinem Trio oder in der intimen Duo-Besetzung mit Maite Hontelé – sein Spiel ist stets weit offen, äußerst intensiv und unberechenbar. Vor allem aber ist Ramón ein Virtuose, der in einen regelrechten Spielrausch geraten kann. Nicht zum Selbstzweck oder zu Showzwecken freilich – das ist allein Ausdruck der rasenden Spielfreude.
Mit Maite Hontelé verbindet Ramón so etwas wie eine kubanische Seelenverwandtschaft. Sie studierte Latin- und Jazztrompete am Rotterdamer Konservatorium und eroberte die Herzen der Salsa- und Latin-Jazz-Liebhaber weltweit. Um 2008 zog sie nach Kolumbien, um ihre eigene Band zu gründen und mit Legenden wie Rubén Blades, Isaac Delgado und Óscar D’León aufzutreten. Ihr Album Cuba Linda gewann einen Cubadisco Award, den renommiertesten Musikpreis Kubas, und wurde für einen Latin Grammy nominiert.
Sonntag, 27. September – Open Air Schloss Ottersbach, 13:00 Uhr: VINCENT PEIRANI & LIVING BEING (F)
Émile Parisien – soprano saxophone, Vincent Peirani – accordion, Julien Herné – bass, Tony Paeleman – piano, Fender Rhodes, Yoann Serra – drums
Wir kennen Vincent Peirani als Jazzmusiker, gewiss. Doch Weltmusik, Klassik, Chanson oder Pop gehen dem Franzosen mit dem strengen Blick ebenso leicht von der Hand. Doch wer sein neues Album hört, wird erkennen: Peirani hat das Akkordeon zu einem veritablen Rock’n’Roll-Hammer gemacht. Auf „Night Walker“ brilliert der Virtuose mit seinem perfekt eingespielten Quintett, furiosen Led-Zeppelin-Covers und einem Sound, der genreübergreifend seinesgleichen sucht. Was Wunder, gehört diesem hochkarätig besetzten Quintett auch kein Geringerer als Émile Parisien, der europäische Shootingstar am Sopransaxofon und langjährige Weggefährte Peiranis, an.
Wenn Vincent Peirani sagt, seine Band wolle ein „Chamber Rock Music Orchestra“ sein, dann mag das nach „Rock meets Classic“-Bombast klingen. Doch dieses Living Being, dieses kraftvolle Biest von einer Jazzband, ist genau das Gegenteil davon. Ein geschmeidiges Tierchen, das sich zurückhaltend elegant auf jedem Terrain bewegt, ohne jemals vom Pfad abzukommen, aber jederzeit zu einem muskulösen Karnivoren heranzuwachsen vermag.



