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„Aflenz Memorial“ will auch „Getöteten ein Gesicht geben“

  • vor 6 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
Archäologe Bernhard Schrettle präsentierte Funde von Ausgrabungen am ehemaligen Lagerareal in Aflenz.
Archäologe Bernhard Schrettle präsentierte Funde von Ausgrabungen am ehemaligen Lagerareal in Aflenz.

Mit dem „Aflenz Memorial“ entsteht auf dem Areal des ehemaligen KZ-Außenlagers Leibnitz/Aflenz ein begehbares Landschaftsdenkmal. Genau dort präsentierten am 28. Mai 2026 Projektpartner:innen des Leader-Projekts das Konzept.

 

Was geplant ist

 

Am historischen Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Leibnitz/Aflenz entsteht unter künstlerischer Leitung der international renommierten Künstlerin Milica Tomić ein begehbares Landschaftsdenkmal, das Geschichte, Erinnerung und Gegenwart miteinander verbinden möchte. Das Leader-Projekt von der Archäologisch Sozialen Initiative Steiermark (ASIST) mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark soll bis zur Eröffnung am 18. Oktober 2026 baulich abgeschlossen sein.

 

Ein Blick zurück

 

Vom KZ-Außenlager in Aflenz an der Sulm, das im Jahr 1944 für die Rüstungsproduktion des Dritten reichs errichtet wurde, sind aktuell keine sichtbaren baulichen Überreste mehr erhalten. Dabei waren dort bis zu 650 KZ-Häftlinge interniert gewesen. Mindestens 62 davon kamen als Folge der Zwangsarbeit, der extremen Arbeitsbedingungen oder Misshandlungen im Lager ums Leben. 


Mit dem geplanten begehbaren Memorial, das am 18. Oktober 2026 eröffnet werden soll, will man nun die verdrängte Geschichte des Ortes wieder erfahrbar werden und eine Form des Erinnerns entstehen lassen. Schotterwege entlang der ehemaligen Lagergrenzen sollen die Dimensionen des Lagers im Gelände nachvollziehbar machen.

 

„Sichtbar machen, was überdeckt und übersehen wurde“

 

Als einer der zahlreichen Vertreter der Projektpartner begrüßte zunächst Marko Mele, wissenschaftlicher Leiter des Universalmuseums Joanneum, die Anwesenden an jenem Ort, „der die schwerwiegende Geschichte in sich trägt!“ und große Bedeutung habe. 



„Wir wollen hier etwas sichtbar machen, was überdeckt und übersehen wurde, nämlich das ehemalige KZ-Außenlager. Das Memorial schafft eine lebendige Erinnerungslandschaft, die Geschichte und Verantwortung verbindet“, erläuterte Mele.

Landschaft und der Boden machen, so Mele, Geschichte erfahrbar und schaffe Räume, in denen gesellschaftliche Auseinandersetzung möglich werde. Dank breiter Zusammenarbeit von Kunst, Wissenschaft, Archäologie, Gemeinde und der Zivilgesellschaft würden regionale Impulse gesetzt, die auch Jugendliche, Schüler und die Bevölkerung einbinde.  

 

„Das Unsichtbare sichtbar machen“ 

 

Bgm. Peter Stradner, der seit über 10 Jahren als Mauthausen-Guide Besucher:innen durch die Gedenkstätte Römersteinbruch Aflenz begleitet hat, freut sich, dass nun „das Unsichtbare sichtbar“ werde, um die Gräueltaten dieser Zeit besser zu verstehen.



Die Protagonisten der Idee eines "Aflenz Memorials": (v.l.) Bernard Schrettle, Bgm. Peter Stradner, Marko Mele, Milica Tomić, Gabriele Mackert  Andreas Boden und Andreas Paar (Holcim)
Die Protagonisten der Idee eines "Aflenz Memorials": (v.l.) Bernard Schrettle, Bgm. Peter Stradner, Marko Mele, Milica Tomić, Gabriele Mackert  Andreas Boden und Andreas Paar (Holcim)

„Das Aflenz Memorial wird greifbar erleben lassen, was es bedeutet haben könnte, in einem Lager interniert gewesen zu sein! Damit beschreiten wir aber auch den Lebensweg von Franz Trampusch und das Eintreten für Demokratie, Freiheit und Frieden“, so Bgm. Stradner.

Die Flächen werden, so der Bürgermeister, wieder bestellt und Landwirte werden wieder Früchte ernten und Fruchtfolge betreiben. „Mit den geernteten Früchten soll wieder Gutes entstehen und eine Verbundenheit mit dem Ort für Menschen geschaffen werden“, weiß Bgm. Stradner.

 

Was ist im Boden vorhanden?

 


„Erde und Natur verändern sich, wo es Massengräber gibt und Grausamkeiten geschehen sind. Die Erde gleicht einem Archiv aus dem wir die Geschichte herausnehmen und ein Denkmal setzen für gemeinsames Erinnern!“, sah die künstlerische Leiterin und Konzeptionistin Milica Tomić die vorrangige Aufgabe des Projekts.



„Wir haben bei Ausgrabungen 2024 vieles wissenschaftlich aufgearbeitet und historische Recherche betrieben, was im Boden vorhanden ist. Wir haben dabei die Fundamente der Zwangsarbeiterbaracken und der Wachtürme sowie Geschirr, Gefäße und Dinge des täglichen Lebens gefunden, die Einblicke in das tägliche Leben des Lagers geben. Wir wollen damit den hier Getöteten ein Gesicht geben, denn das Areal hier ist auch ein Friedhof“, berichtete Bernhard Schrettle (ASIST).




Das Aflenz Memorial ist ein Leader-Projekt von ASIST (Archäologisch Soziale Initiative Steiermark) mit KiöR (Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark).


Unterstützt wird es von: Gemeinde Wagna und Ehrenhausen, HOLCIM (Österreich) GmbH, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus; Mitteln von Bund, Land und Europäischer Union (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, WIR leben Land, Land Steiermark und mit Kofinanzierung der Europäischen Union)

 

Fotocredit: Heribert Kindermann
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