Die Steiermark trocknet aus - 13 Maßnahmen gegen den Wassernotstand
- vor 2 Tagen
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Während Starkregenereignisse und Hochwasser immer häufiger auftreten, nehmen gleichzeitig längere Trockenperioden, hohe Temperaturen und die Austrocknung von Böden und Landschaften zu. Der Klimawandel führt damit zu einem scheinbaren Widerspruch: Es gibt zeitweise sehr viel Wasser, während wenige Wochen oder Monate später Wasser in Böden, Bächen und Landschaften fehlt.
Dass wir heute vor dieser Situation stehen, ist auch Folge eines jahrzehntelangen politischen Versagens: Die Warnungen der Wissenschaft vor den Folgen der Klimakrise wurden zu lange nicht ernst genug genommen und notwendige Maßnahmen nicht entschlossen genug umgesetzt. Nun gilt es, in zwei zentralen Handlungsfeldern gleichzeitig aktiv zu werden: Einerseits muss alles darangesetzt werden, den Klimawandel so schnell wie möglich einzubremsen, um noch gravierendere Folgen zu verhindern. Andererseits muss die Steiermark in allen Bereichen verstärkt auf jene Folgen vorbereitet werden, die bereits heute spürbar sind und sich weiter verschärfen werden.
Eine naturnahe Landschaft kann dabei einen wesentlichen Beitrag leisten. Gesunde Böden,
Feuchtgebiete, Moore, Auen, naturnahe Bäche und stehende Gewässer wirken als natürliche
Wasserspeicher. Sie können Wasser aufnehmen, zurückhalten und zeitverzögert wieder an die Umgebung abgeben. Gleichzeitig schaffen sie wertvolle Lebensräume, erhöhen die Biodiversität und können zur Abmilderung von Hitze beitragen. Die Grünen Steiermark haben diesen Zusammenhang bereits in mehreren parlamentarischen Initiativen aufgegriffen – unter anderem durch Forderungen nach Moor- und Torfbodenschutz sowie einer stärkeren Gewässerrenaturierung. Wasser in der Landschaft zu halten, muss daher zu einem zentralen Ziel der steirischen Klimawandelanpassung werden. Dabei geht es nicht nur darum, Wasser für einzelne Nutzungen verfügbar zu halten. Ein möglichst hoher Wasserrückhalt in Böden und Landschaft trägt auch dazu bei, dass der Grundwasserpegel vor Ort nicht durch längere Trockenperioden und zunehmende Wasserentnahmen zu stark absinkt.
Gerade in Regionen, in denen sich Trockenphasen häufen, ist es daher entscheidend, Niederschlags- und Oberflächenwasser möglichst lange zurückzuhalten und die natürliche Versickerung und Grundwasserneubildung zu fördern. Das weitere Absinken des Grundwasserspiegels muss wiederum verhindert werden, um eine lokale Trinkwasserversorgung zusichern.
Dazu braucht es neben großflächigen Renaturierungsmaßnahmen auch viele kleinere Maßnahmen in der gesamten Landschaft. Landschaftsteiche, Rückhaltebecken, Feuchtmulden und andere naturnahe Wasserspeicher können insbesondere in landwirtschaftlich genutzten Gebieten einen wichtigen Beitrag leisten.
Dieses Dokument wurde gem. § 77 GeoLT 2005 elektronisch erfasst. Seite 2 / 3
1. leisten. Denn auch sie halten Wasser für Trockenperioden zurück und schaffen gleichzeitig neue Lebensräume. Denn Dürreperioden wie die jetzige zeigen, dass vor allem die Landwirtschaft zunehmend auf zusätzliche Bewässerungsmöglichkeiten angewiesen ist. Statt in Trockenperioden hauptsächlich auf die Entnahme von Grund- oder zentralem Oberflächenwasser zurückzugreifen, braucht es einen Ausbau dezentraler Wasserspeicher. Landwirtschaftliche Speicherteiche können Regen- und Oberflächenwasser zurückhalten und in Trockenperioden für eine bedarfsgerechte Bewässerung zur Verfügung stellen bzw. lokalklimatisch für Abkühlung sorgen.
Gleichzeitig können sie dazu beitragen, dass Wasser in der Region verbleibt, versickert und damit die Grundwasserneubildung unterstützt wird, anstatt in Zeiten ausreichender Niederschläge rasch aus der Landschaft abzufließen. Die Waldbrände im Frühjahr 2026 haben zudem gezeigt, dass Wasserverfügbarkeit auch eine Frage der Sicherheit ist. Hier wäre es zentral, ein dichtes Netz an geeigneten Löschwasserentnahmestellen in der Steiermark aufzubauen und rechtlich zu verankern. Eine ausreichende Zahl geeigneter Wasserentnahmestellen kann die Einsatzmöglichkeiten der Feuerwehren verbessern und damit einen wichtigen Beitrag zur Waldbrandvorsorge leisten. Landschaftsteiche, Bewässerungsteiche und Löschteiche sollten dabei nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Richtig geplant und naturnah gestaltet können solche Gewässer gleichzeitig dem Wasserrückhalt, dem Katastrophenschutz, der Landwirtschaft und dem Naturschutz dienen.
Nicht zuletzt Moore und andere Feuchtgebiete müssen ebenfalls als natürliche Wasserspeicher stärker geschützt werden. Die Grünen Steiermark fordern bereits ebenfalls seit Jahren einen Aktionsplan für Moor- und Torfbodenschutz sowie die Wiedervernässung von Mooren. Gerade die Wiedervernässung und der Erhalt von Feuchtgebieten sind zentrale Maßnahmen, um Wasser länger in der Landschaft zu halten und die natürlichen Wasserkreisläufe zu stabilisieren. Wasserrückhalt in der Landschaft ist daher nicht als Einzelmaßnahme des Hochwasserschutzes, des Grundwasserschutzes, des Naturschutzes oder der Sicherung der Ernährungssouveränität zu verstehen, sondern als übergreifende zentrale Vorsorgestrategie gegen die Folgen der Klimakrise. Es geht darum, die natürlichen Wasserkreisläufe zu stärken, Wasser möglichst lange vor Ort zu halten, die Versickerung und Grundwasserneubildung zu unterstützen und damit auch einem zu starken Absinken des Grundwasserpegels entgegenzuwirken. Gleichzeitig können diese Maßnahmen einen Beitrag zur Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion, zum Schutz vor Hochwasser und Waldbränden, zur Kühlung der Landschaft und zur Erhaltung und Verbesserung der Biodiversität leisten.
Damit diese Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden können, müssen auch die rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen überprüft werden. Insbesondere Leitfäden, Förderbedingungen, wasserrechtliche Vorgaben und sonstige einschlägige Regelungen müssen darauf ausgerichtet werden, dass naturnahe Wasserspeicher und Renaturierungsmaßnahmen leichter umgesetzt werden können, ohne dabei berechtigte Interessen zu beeinträchtigen.



