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„Eine steirische Odyssee" auf der Wildoner Schlossbergbühne

  • vor 23 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Einer rasanten irrwitzigen Fahrt durch Raum und Zeit gleicht die aktuelle Produktion der Wildoner Schlossbergbühne. Autor Gerhard Rath transferiert in seiner Komödie „Eine steirische Odyssee" Homers antikes Epos kurzerhand einfach in die steirische Polit- und Kulturszene der 1970er-Jahre! In der heurigen Inszenierung von Regisseur Jürgen Gerger bleibt noch bis 1. August 2026 am Wildoner Schlossberg trotz guter Wetterlage kein Auge trocken.


Wer sich auf die steirische Odyssee begibt

Die idyllische Bühne am Wildoner Schlossberg gehört diesmal dem desillusionierten Ex-Banker Ulrich, dem Arbeiter Elmar und dem ewigen Studenten Peter. Die drei Hausbesetzer geraten nach einer Vietnam-Demonstration zwischen die Fronten. Die Polizisten, Mitglieder radikaler Frauengruppen, der konservative Landeshauptmann und sein skrupelloser politischer Widersacher gieren alle nach einem Stück des ominösen Kuchens. Inmitten des Chaos gibt es ein überraschendes Wiedersehen mit der einstigen Mitbewohnerin Penny. Mittlerweile zur Wahlkampfmanagerin avanciert, weiß die schwangere Frau allerdings nicht, wer nun eigentlich der Vater ihres Kindes ist.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Persönlichkeiten oder durchaus bekannten zeitgeschichtlichen Ereignissen ist bei dieser fulminanten Komödie alles andere als ein reiner Zufall!



Parforce-Ritt durch die wilden 70-er Jahre

Aus einer musikalischen, liebevoll-chaotischen Flucht wird schließlich eine grün-weiße Odyssee quer durch die steirische Gesellschaft: Vom glatten Landespolitik-Parkett über eine esoterische Sirenengruppe bis zum Rockfestival stolpern alle drei Alt-Hippies und von einem Abenteuer zum nächsten.

Während des wilden Ritts durch die 70-er Jahre des Steirerland werden die drei Freunde stets von den Göttern des Olymps und einer blinden Seherin begleitet.

Das Stück lebt von verschiedenen Genres und Darstellungsmöglichkeiten wie etwa auch Figurentheater, Videoproduktion oder Anklängen an die Welt des Musicals und verlangt von den Darstellern besondere Vielseitigkeit in der Darstellung.


Herz, Humor und ordentlicher Schmäh

Autor Gerhard Rath entstaubt das historische Heldenepos von Homer und verwebt antike Mythologie mit steirischem Schmäh, Politiksatire und einer Extraportion Schmäh zu einer sehens- und hörenswerten Musikkomödie, die trotz der Länger des Stücks nie Langeweile aufkommen lässt. Beim Finale bringt ein Auftritt der drei Hausbesetzer in mit Penny wiedervereinten Band die Wende und Lösung für allerlei Probleme.



Getragen wird die Wildoner Odyssee-Produktion von einem glänzend aufeinander eingespielten Ensemble: Vinzenz Schmer-Galunder verleiht den politischen Herausforderer von Landeshauptmann Menelaus eindrucksvolle emotionale Tiefe und trumphaftes Gehabe.

Josef Koller begeistert als Landeshauptmann Menelaus und Göttervater Zeus mit Charisma und mitreißender Energie.

Michael Koch als ewiger Student Peter, Peter Roll als Aussteiger Ulrich und Thomas Wallner als Kommunist Elmar bilden ein kraftvolles, spielfreudiges Trio, das große Bühnenpräsenz beweist. Bettina-Chiara Wagner als Wahlkampfmanagerin und Göttin Athene ist der schauspielerische Katalysator zwischen ihrer Vergangenheit als Freundin der drei Hausbesetzer und ihrer Gegenwart als politische Mitarbeiterin des Landeshauptmannes.

In schauspielerischer und gesanglicher Hinsicht eine Top-Besetzung sind auch Gerald Jahrbacher (Poldi Fett), Birgit Kokl (Helena), Gerhard Leitinger (Dorfpolizist Kuli), Claudia Leixner (Kalypso), Claudia Mayrhofer (Kirke), Sara Mayrhofer (Skylla) und Petra Powoden (Charybdis).

Als Einbegleiterin in die wechselnden Szenen hat auch Margit Fritz als Seherin Teiresia starke Auftritte.



Was es für den Erfolg noch alles so braucht

Als Mastermind für die innovativen Requisiten und das prägnante Bühnenbild beweist Wolfgang Rath besondere Vielseitigkeit und handwerkliches Geschick. Trotzdem hat er diesmal auch noch Zeit gefunden, den Dorfpolizisten Schrammel und den Moderator Hermes Bockberg zu mimen.


Für den guten Ton und das rechte Licht sorgen Ronny Priesching und Romy Reiß. Als Regieassistenten sind Margit Fritz (auch noch Soffleuse) und Peter Roll mit dabei. Grafik und Layout liegen in den Händen von Bettina Wagner.


Zum Finale waren minutenlanger Schlussapplaus und Standing Ovations für die mitreißende Open-Air-Produktion des Vereins Wildoner Schlossbergbühne der Lohn für Ensemble, Autor, Regisseur und nicht zuletzt auch Obmann Mario Distler.



Der Zauber der Komödie

Fazit eines vergnüglichen Sommerabends: Die Wildoner Komödie begeisterte das Publikum, darunter auch zahlreiche Mitglieder des Leibnitzer Oldtimer-Club rund um Obmann Heimo Aldrian und Stellvertreter Horst Videcnik, auf der idyllischen Wildoner Schlossbergbühne. Es war einer abwechslungsreiche Inszenierung, eine mitreißende Musik von „Georgi und die Ithakas“ (Georg Jantscher, Jürgen Friesenbichler, Thorsten Zimmermann) und ein spielfreudiges Ensemble, bei dem jede Rolle bis ins Detail aufmerksam durchkomponiert war. Unser Tipp: Hingehen und mitlachen!


Mitglieder des Leibnitzer Oldtimer-Club waren mit ihren chromblitzenden alten Autos zur Vorstellung angereist. Die bekannten Sterne spielten auch in der Aufführung eine besondere Rolle


Weitere Aufführungstermine

Weitere drei Aufführungen von „Eine steirische Odyssee“ stehen noch am 30. und 31. Juli sowie am 1. August mit Spielbeginn um jeweils 20 Uhr auf dem Programm. Näheres unter wildoner-schlossbergbuehne.at


Fotocredit: Heribert Kindermann
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