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Aflenz Memorial: Wider das Vergessen!

vor 2 Stunden
5 Min. Lesezeit
Projektpartner erläuterten Projektdetails und führten Pressevertreter:innen auf historischen Wegen durch das Aflenz Memorial
Projektpartner erläuterten Projektdetails und führten Pressevertreter:innen auf historischen Wegen durch das Aflenz Memorial

Anlässlich der Eröffnung des neuen begehbaren Landschaftsdenkmals in der Masrktgemeinde Wagna haben die Protagonisten des Aflenz Memorials am 15. Oktober 2026 zu einer Presseführung über das ehemalige Lagerareal mit Künstlerin Milica Tomić und Projektpartner:innen eingeladen.

 

Am Sonntag, dem 18. Oktober 2026 wird am historischen Ort des ehemaligen Außenlagers des KZ Mauthausen in Aflenz an der Sulm ein begehbares Landschaftsdenkmal der Künstlerin Milica Tomić eröffnet, das Geschichte, Erinnerung und Gegenwart verbindet. Wege entlang der ehemaligen Lagergrenzen, Markierungen des Appellplatzes und der früheren Baracken sowie eine besondere Bepflanzung machen die Geschichte des Ortes erfahrbar. Der Boden wird dabei selbst zum Träger der Erinnerung – als Archiv, das Spuren bewahrt und Vergangenes sichtbar werden lässt.



Im Rahmen der exklusiven Presseführung berichteten Bgm. Peter Stradner (Marktgemeinde Wagna, Bgm. Hannes Zweytick (Marktgemeinde Ehrenhausen an der Weinstraße), Bauleiter Franz Pilch (Wagna), GF Josef Schrammel (Universalmuseum Joanneum), Werksleiterin Martina Frieser (Holcim), Institutsleiterin Gabriele Mackert (Institut für Kunst im öffentlichen Raum), Künstlerin Milica Tomić, Andreas Boden (studio boden) und GF Bernhard Schrettle (ASIST) über die Idee und Realisierung des Erinnerungsprojekts.


„Die Gedenkstätte macht aus, dass wir nichts rekonstruieren. Es geht darum, etwas, dass jahrzehntelang unsichtbar geblieben ist, sichtbar zu machen. Wir sind sehr glücklich, dass sich der Gedenkort nun etablieren kann!“, so Institutsleitsleiterin Gabriele Mackert (Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark).

 


„Es gibt eine Verantwortung!“

„Selbstverständlich trägt niemand Schuld für Verbrechen, die vor seiner Geburt geschehen sind. Aber es gibt eine Verantwortung und diese bringt uns heute hierher. Ich danke allen, die diese Verantwortung getragen haben“, meinte Bgm. Stradner, der selbst Mauthausen Guide ist.


„Wir müssen Zeichen setzen, die diese Geschichte sichtbar und erlebbar werden lassen“, ergänzte Bgm. Johannes Zweytick.


„Dass im Boden noch so viele Spuren zu finden sind, war doch eine Überraschung. Es ist keine abgeschlossene Arbeit, es ist ein Dialog aus Denkmal, Kunst und Archäologie, der weitergehen wird!“, versichert so Bernhard Schettle (ASIST).


Seit 2024 untersucht die Archäologisch Soziale Initiative Steiermark (kurz: ASIST) das KZ-Gelände archäologisch. Bisher wurden Dinge des täglichen Lebens wie Schuhe, Gefäße, Geschirr gefunden. Im Sommer 2026 stießen Arbeiter:innen am Areal des ehemaligen Appellplatzes auf eine Häftlingsmarke mit der Nummer 38882. Sie ist einem polnischen Häftling zuzuordnen, der als ausgebildeter Schmied in den unterirdischen Stollen Schwerstarbeit leisten musste.


"Das Aflenz Memorial verbindet am historischen Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Aflenz Geschichte, Erinnerung und ein Denkmal!", so Markert (Bildmitte)
"Das Aflenz Memorial verbindet am historischen Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Aflenz Geschichte, Erinnerung und ein Denkmal!", so Markert (Bildmitte)

 

LEADER-Projekt von ASIST und Kunst im öffentlichen Raum

Ein begehbares Landschaftsdenkmal mit Wegen, Tafeln und Pflanzen soll die biuslang weitgehend unsichtbare Geschichte des ehemaligen KZ-Außenlagers Leibnitz/Aflenz sichtbar machen und an die Verbrechen des Nationalsozialismus hinweisen.


Das Konzept des Aflenz Memorials stammt von Künstlerin Milica Tomić, die im Bereich zeitgenössische Kunst, Professorin und Leiterin des Instituts für zeitgenössische Kunst an der TU Graz war. Die Künstlerin, die mit dem Österreichischen Staatspreis für bildende Kunst ausgezeichnet wurde, hat sich über 10 Jahre mit dem Ort beschäftigt, um das Aflenz Memorial zu gestalten. Nun machen Wege die ehemalige Struktur und Dimension erfahrbar. Sie markieren die Lagergrenzen, den Appellplatz und den Grundriss einer Häftlingsbaracke.



Besondere Pflanzen und Bäume

Die Bepflanzung in unterschiedlichen Zonen, die gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten le balto (Berlin) und studio boden (Graz) entwickelt wurde, bildet das zweite Element. Durch Bodenproben wurden hier Senf, Himbeere, Brombeere, Schwarzer Holunder, Kiwi, Tabak, Roggen und weitere Getreidearten nachgewiesen, die historisch am Ort gewachsen sind. Saisonale Arten werden sich künftig in fünfjähriger Fruchtfolge abwechseln.


Mais wird als Erinnerung an die jahrzehntelange landwirtschaftliche Überdeckung und Verdrängung der Lagergeschichte immer wieder gepflanzt. Andere Zonen, insbesondere im Bereich des ehemaligen Massengrabs, wurden landschaftlich so gestaltet, dass ihre historische Dimension erkennbar bleibt.


Um an die Ermordeten und teilweise im nahegelegenen Wald in einem Massengrab verscharrten Toten zu erinnern, wurden Baumsetzlinge der Sorten aus dem Wald gegenüber gepflanzt. Da dort kein Gedenkort errichtet werden kann, wird so eine symbolische Verbindung geschaffen.


Um an die Ermordeten und auch im nahen Wald verschalten Opfer zu erinnern, ließ Künstlerin Setzlinge der Bäume aus dem Wald anpflanzen 
Um an die Ermordeten und auch im nahen Wald verschalten Opfer zu erinnern, ließ Künstlerin Setzlinge der Bäume aus dem Wald anpflanzen 

Die Entstehungsgeschichte

Das Aflenz Memorial versteht den Boden als Archiv und Träger der Erinnerung. Milica Tomićs künstlerisches Konzept entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit vieler Wissenschaftler:innen, im Austausch mit Zeitzeugen Franz Trampusch (1934-2022) und der Marktgemeinde Wagna.


Vertreter:innen der Marktgemeinde Wagna werden die Erträge ernten und verarbeiten. Die Beteiligung der Bevölkerung soll einen lebendigen Ort des Erinnerns und Lernens schaffen.

„Das Aflenz Memorial entstand aus kollektiver, transdisziplinärer Forschung, ermöglicht deren Fortsetzung und bleibt zugleich selbst Gegenstand der Untersuchung: welches Wissen es hervorbringt, wer daran teilnimmt und welche Handlungsmöglichkeiten es eröffnet“, erläuterte Milica Tomić.


Die ehemaligen Lagerflächen befinden sich im Eigentum der Holcim (Österreich) GmbH (vormals Perlmooser AG), die sie für die Dauer von 25 Jahren kostenfrei für das Projekt zur Verfügung stellt.


Die Marktgemeinde Wagna unterstützt das Projekt seit Beginn und wird künftig die Pflege und den Unterhalt der Anlage übernehmen Führungen für Schulklassen, Jugendgruppen und Interessierte werden von Mauthausen-Guides, organisiert durch das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), durchgeführt. Ziel ist es, insbesondere junge Menschen und die lokale Bevölkerung in eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte einzubeziehen und nachhaltige Erinnerungs- und Demokratiearbeit zu leisten.


Individualbesucher:innen stehen zweisprachige, bebilderte Informationstafeln (Stehle) mit QR-Codes zur Verfügung, die die Geschichte des Ortes und das künstlerische Konzept vermitteln.


             

Das Außenlager in Aflenz an der Sulm

Im Jahr 1944 errichteten Gefangene des KZ Mauthausen in Aflenz an der Sulm ein Außenlager für die Rüstungsproduktion für den in Graz und Thondorf ansässigen Steyr-Daimler-Puch Konzern. Ziel war es, die in unterirdische Steinbrüche verlegte Produktion vor Luftangriffen zu schützen. Insgesamt mussten über 900 Männer Zwangsarbeit leisten. Die Häftlinge stammten überwiegend aus der Sowjetunion, Polen, dem Deutschen Reich sowie dem damaligen Jugoslawien, Spanien, Italien und Frankreich. Sie waren extremen Arbeitsbedingungen sowie Misshandlung ausgesetzt. Bis Juli 1944 wurden rund 8.000 m² Stollenfläche ausgebaut. Während des Bestehens des Lagers kamen mindestens 81 namentlich bekannte Häftlinge ums Leben. Nach 1945 wurden drei Massengräber exhumiert.


Der ehemalige Appellplatz für bis zu 700 Häftlinge war ein Ort der Angst, Gewalt und gänzlicher Auslieferung
Der ehemalige Appellplatz für bis zu 700 Häftlinge war ein Ort der Angst, Gewalt und gänzlicher Auslieferung

Das Lager befand sich auf einer Wiese schräg unterhalb der Kalksteinbrüche in Aflenz. Der gesamte Ort Aflenz wurde zum Sperrgebiet erklärt, die Zufahrtsstraße aus Wagna wurde durch das sogenannte „Wächterhaus“ kontrolliert. In unmittelbarer Nähe befand sich zusätzlich auch noch ein größeres Zwangsarbeiter:innenlager, in dem rund 2.000 Menschen ebenfalls für die Steyr-Daimler-Puch AG Zwangsarbeit leisten mussten.


Am 2. April 1945 wurde das Konzentrationslager auf Befehl der SS-Führung aufgegeben. 467 Häftlinge mussten zu Fuß in Richtung KZ Ebensee marschieren. Nur 407 Häftlinge erreichten lebend Ebensee.

 

Der Eröffnungstag

Die für alle Interessierten zugängliche Eröffnung findet 18. Oktober 2026, um 11 Uhr auf dem Areal des Aflenz Memorials statt. Es befindet sich auf einer Wiese schräg unterhalb der Aflenzer Römerhöhle auf den Weg nach Retznei. Das umfangreiche in der Zeit von 12.30 bis 15 Uhr stattfindende Begleitprogramm bietet Rundgänge, Künstler:innengespräche mit Milica Tomić sowie Helmut und Johanna Kandl (Projekt Wächterhaus) und noch weitere Programmpunkte.


Nähere Informationen über das Aflenz Memorial, die so bezeichnete KZ-Gedenkstätte Aflenz von Künstlerin Milica Tomić unter www.kioer.at

 


Fotocredits: Heribert Kindermann, MA

 

 

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