AK-Nachhilfemonitoring 2026 - Nachhilfekosten in der Steiermark gesamt gestiegen
- vor 44 Minuten
- 3 Min. Lesezeit

Der Schulerfolg tausender steirischer Kinder geht ins Geld: Im
vergangenen Schuljahr gaben Eltern 18,1 Millionen Euro für Nachhilfe
aus. Pro Schüler:in waren das im Schnitt 770 Euro, ergab die jüngste
Nachhilfestudie der Arbeiterkammer. Viele Eltern konnten sich das nicht
oder nicht mehr leisten. Die AK fordert Chancengerechtigkeit an den
Schulen, damit der Bildungserfolg unserer Kinder nicht vom Einkommen
der Eltern abhängig ist.
Nach 780 Euro im Schuljahr 2024/2025 sind die durchschnittlichen Kosten, die
steirische Eltern für Nachhilfe eines Kindes im laufenden Schuljahr 2025/26
ausgegeben haben, leicht auf 770 Euro gesunken. Die Gesamtbelastung steirischer
Eltern ist aber von 16,6 Millionen Euro im Vorjahr auf 18,1 Millionen Euro
gestiegen. „Eltern leisten sich für ihre Kinder in den meisten Fällen nur mehr
punktuell Nachhilfe, nicht mehr kontinuierlich. Das ist teurer“, weiß AK Bildungsbereichsleiterin Alexandra Hörmann.
Ein Drittel der Kinder hat Nachhilfebedarf
Für das jährliche Nachhilfemonitoring der Arbeiterkammer hat das Sozial- und
Meinungsforschungsinstitut IFES bundesweit eine repräsentative Studie bei Eltern
von Schulkindern zum Thema „Nachhilfe“ im Schuljahr 2025/2026 durchgeführt. In
ganz Österreich wurden dazu 4.691 Schulkinder in insgesamt 3.208 Haushalten
befragt, in der Steiermark waren es 629 Schulkinder in 426 Haushalten. Das
Ergebnis: Rund 46.000 steirische Schüler:innen (34 Prozent) haben Bedarf an
Nachhilfe. In etwa jedes sechste steirische Schulkind (17 Prozent) hat im Schuljahr
2025/26 bezahlte Nachhilfe oder Lernhilfe in Anspruch genommen. Alarmierend:
Auch ein Viertel der Volksschulkinder der 3. und 4. Klassen hat bereits Nachhilfe –
um den Übergang ins Gymnasium zu schaffen. Rund 7.000 Kinder hätten Bedarf an
bezahlter Nachhilfe gehabt, allerdings war dies für die betreffenden Familien aus
finanziellen Gründen nicht leistbar.
Schwachstelle Mathematik
Nachhilfe wird insbesondere in Mathematik (66 Prozent) benötigt. Hier geht es
auch bei der bezahlten Nachhilfe am häufigsten darum, ein „Nicht genügend“ zu
verhindern. Danach folgen Deutsch (30 Prozent) und Fremdsprachen (18 Prozent).
„Seit Beginn des Nachhilfebarometers ist Mathematik das Nachhilfefach Nummer
Eins“, sagt Hörmann: „Anstelle der weitverbreitenden Mathematik-Angst sollte
MINT-Interesse geweckt und alltagstaugliche Mathematik vermittelt werden.“
Mehrfach-Belastung für Eltern
Die Auswirkungen auf Familien sind weitreichend: Rund die Hälfte (49 Prozent) der
Befragten ist durch die bezahlte Nachhilfe finanziell spürbar bis sehr stark belastet.
Mehr als drei Viertel der steirischen Schulkinder (76 Prozent) werden zu Hause
zumindest hin und wieder beim Aufgabenmachen, Lernen und Üben von den Eltern
beaufsichtigt. Ein Viertel der Eltern lernt sogar praktisch täglich mit den Kindern.
Die Folge: 47 Prozent der Eltern, die ihren Kindern bei Schulaufgaben helfen,
geben an, spürbar zeitlich belastet zu sein.
Keine fairen Bildungschancen
Nachhilfe zu bezahlen, steht auch im Zusammenhang mit der Einschätzung der
schulischen Anforderungen: Dort, wo Eltern die Anforderungen in der Schule als
adäquat einschätzen, braucht es auch seltener bezahlte Nachhilfe. Wie Schulen
also unterrichten, wie sehr sie Kinder (über-)fordern oder nicht, steht im
Zusammenhang mit dem Nachhilfebedarf. Drei Viertel aller Eltern, die ihren
Kindern bezahlte Nachhilfe besorgt haben, glauben entsprechend, dass die
Bildungschancen auch vom Einkommen der Eltern abhängen. 63 Prozent der
Eltern sehen im österreichischen Schulsystem keine fairen Bildungschancen.
Ausbau der verschränkten ganztägigen Schulform
Die Nachhilfestudie zeigt auch: Wenn an Schulen hochwertiger Förderunterricht am
Nachmittag angeboten wird, benötigen auch deutlich weniger Kinder bezahlte
Nachhilfe. Die geringste Notwendigkeit für bezahlte Nachhilfe nannten die Eltern
von Kindern, die verschränkte ganztägige Schulformen besuchen. AK-Präsident
Josef Pesserl sagt es ganz klar: „Diese ganztägige Schulform ist allen anderen
Schulformen weit überlegen und gibt auch Kindern, deren Eltern sich keine
Nachhilfe leisten können, gerechte Chancen auf eine gute Bildung.“
Schulkosten und Bildungsteilhabe dürfen Familien finanziell nicht zusätzlich unter
Druck bringen. Gerade alleinerziehende und armutsgefährdete Familien brauchen
hier zusätzliche, unbürokratische Entlastung und Unterstützungsangebote. Die AK
Steiermark zeigt dies in den Sommerferien einmal mehr vor, wie etwa mit
kostengünstigen Feriencamps sowie der Initiative „AKtive Sommerferien“, wo
Lernhilfe und Freizeitbetreuung kombiniert werden.
