top of page

Elternverein: Warum die Volksschule Retznei unverzichtbar ist

  • vor 2 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

 

Der Elternverein der Volksschule Retznei setzt sich für den Erhalt des einzigartigen musikpädagogischen Schulmodells in Retznei ein. Jetzt antwortet der Verein auf die öffentliche Diskussion und erklärt, warum die Volksschule Retznei unverzichtbar ist.


Der Elternverein Volksschule Retznei erklärt:


Seit Wochen wird öffentlich über die Zukunft der Volksschule Retznei diskutiert – in Gemeinderatssitzungen, in den Medien und auch in Online-Kommentaren. Der Elternverein der Volksschule Retznei nimmt diese Diskussion ernst und möchte dazu beitragen, Missverständnisse auszuräumen und die Faktenlage klar darzustellen. Denn eines ist sicher: Entscheidungen über die Bildung unserer Kinder müssen auf Fakten basieren – nicht auf Annahmen.

 

„Einfach fusionieren" – wenn es nur so einfach wäre


Ein häufig gehörtes Argument lautet: „52 Kinder – das sind doch nur zwei oder drei Klassen, warum nicht einfach zusammenlegen?" Wir verstehen diese Überlegung. Aber sie greift zu kurz.


Die Volksschule Retznei ist dreiklassig geführt und zieht Kinder aus einem weiten Einzugsgebiet an – aus Ehrenhausen, Wagna, Strass, Gamlitz und weiteren umliegenden Gemeinden. Seit 2016 haben sich die Schülerzahlen kontinuierlich verdreifacht. Wachstum, das für sich spricht. Und dieses Wachstum bringt der Gemeinde konkrete Einnahmen: Gastschulbeiträge aus Nachbargemeinden fließen direkt in den Gemeindehaushalt.


Eine Fusion mit der Volksschule Ehrenhausen würde diesen Zustrom nicht mitnehmen – er würde versiegen. Denn was Familien nach Retznei bringt, ist nicht die Adresse. Es ist das Konzept.


Die Volksschule Ehrenhausen ist keine Alternative – sie hat nicht die Kapazität


Bürgermeister Johannes Zweytick hat öffentlich erklärt, die Volksschule Ehrenhausen biete „bereits jetzt genug Platz und stünde halb leer" für die Schüler aus Retznei und „die Entfernung von 1,4 Kilometern sei zumutbar“. Diese Aussage wirft Fragen auf, die bisher unbeantwortet geblieben sind.


Die VS Retznei verfügt über ein Gebäude mit Kapazität für 120 Schülerinnen und Schüler, einen großen Turnsaal (ca. 250 m2), einen Werkraum, eine Bibliothek sowie einen eigenen Musikraum – Räumlichkeiten, die für das reformpädagogische Konzept unverzichtbar sind. Die Volksschule Ehrenhausen verfügt über keine vergleichbare Infrastruktur und ist selbst sanierungsbedürftig.


Das gemeinsame Gebäude von VS und MS Ehrenhausen ist bereits jetzt mit 58 Volksschülern und 90 Mittelschülern ausgelastet. Eine zusätzliche Aufnahme von 60 Kindern aus Retznei würde die Kapazitäten deutlich überschreiten und bringt erhebliche pädagogische Risiken mit sich. Dazu zählen soziale Spannungen, Konflikte sowie eine erhöhte Mobbinggefahr aufgrund der verschiedenen Lehrkonzepte – nämlich traditioneller Unterricht in der Volkschule und Mittelschule sowie reformpädagogischer Unterricht.


Fazit: 1,5 km sind nah – aber die Kapazität reicht nicht. Eine Fusion schafft nicht Effizienz, sondern Enge und Belastung.

 

Der Standort Ratsch ist keine Alternative – geografisch, infrastrukturell und organisatorisch ungeeignet


Auch eine Verlegung an den Standort Ratsch ist für Familien aus Ehrenhausen trotz theoretischer Möglichkeiten praktisch nicht umsetzbar. Es besteht keine öffentliche Busverbindung nach Ratsch – die Straßen sind schmal, kurvig und bei Schneefall schwer befahrbar. Der Standort liegt abgelegen an der Südsteirischen Weinstraße nahe der slowenischen Grenze und ist für viele Familien nur mit erheblichem Mehraufwand erreichbar. Da die überwiegende Zahl der Eltern in Richtung Graz pendelt, also in die entgegengesetzte Richtung, wäre der tägliche Schulweg organisatorisch kaum bewältigbar.

Für viele Kinder wäre er zeitlich, sicherheitstechnisch und logistisch schlicht nicht zumutbar.


Der Standort Ratsch ist aus geografischer, infrastruktureller und organisatorischer Sicht nicht geeignet, den Schulbetrieb der VS Retznei aufzunehmen oder langfristig sicherzustellen.

 

„Privatschule – sollen es die Eltern selbst zahlen"


Auch dieser Kommentar ist uns bekannt. Und er zeigt, dass ein wesentlicher Punkt noch nicht ausreichend kommuniziert wurde: Die Volksschule Retznei ist keine Privatschule für Privilegierte. Sie ist eine öffentliche Pflichtschule, die vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung als Leuchtturmprojekt anerkannt wurde. Sie trägt den Staatspreis Innovative Schulen – Platz 2 österreichweit (2022/23). Sie wurde mit dem Citizen Science Award ausgezeichnet und zählt zu den 14 Volksschulen mit musikalischem Schwerpunkt in der ganzen Steiermark.


Eltern haben bereits privat investiert: Neuer Jugendraum, Couch für die 3. Klasse, Spenden für die 100-Jahr-Feier – ohne staatliche Unterstützung. Wer eine staatlich preisgekrönte, öffentliche Schule schließt, spart nicht. Er vernichtet einen Wert, den Österreich selbst anerkannt hat.

 

Widersprüchliche Zahlen und fehlende Transparenz


Die Diskussion wird durch widersprüchliche Zahlenlagen erschwert: Angaben zur Finanzierung stimmen nicht mit dem offiziellen Rechnungsabschluss 2024 überein. Gastschüler bringen geregelte Beiträge und Fördermittel – doch Eltern wurden informiert, sie seien „nicht erwünscht“, da sie angeblich „keinen finanziellen Nutzen“ für die Gemeinde brächten.


Diverse Förderungen wurden von der Gemeinde Ehrenhausen nicht beantragt, dies ist bei den Gemeinderatssitzungen immer wieder ein Diskussionspunkt. Die Beantragung im Nachhinein führt unter anderem dazu, dass der Rechnungsabschluss 2025 im Vergleich zum Rechnungsabschluss 2024 explodiert ist. Eine nachvollziehbare Erklärung für diese Diskrepanz steht bis dato noch aus.


Sanierungsargumente tauchen plötzlich auf, ohne vorherige Prüfung. Mehrere Eltern erhielten telefonische Rückmeldungen der Bildungsdirektion: „Fusion so gut wie beschlossen" – obwohl Alternativen nicht geprüft wurden. Dies schafft Zweifel an der Ergebnisoffenheit des Prozesses.

 

Eine Fusion bedeutet das Ende des Konzepts – nicht seine Weiterführung


Bildungsregionsleiter Oliver Kölli hat es klar formuliert: Der pädagogische Schwerpunkt bleibe „auf jeden Fall erhalten". Doch wie soll ein Konzept, das auf Jenaplan-, Freinet- und Montessori-Pädagogik aufbaut, auf lebhaftem Musizieren in der Gruppe, Musicals und reformpädagogischer Unterrichtskultur basiert – wie soll dieses Konzept in einem überfüllten Gebäude ohne Musikraum, ohne die gewachsene Teamkultur, ohne die eingespielten Strukturen funktionieren?


Unsere Kinder gehen gestärkt, selbstbewusst und voller Freude ihren Weg – viele von ihnen ins Gymnasium. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis jahrelanger, engagierter pädagogischer Arbeit. Dieses Ergebnis ist nicht übertragbar. Es entsteht dort, wo es gewachsen ist.

 

Was wir fordern

Der Elternverein der Volksschule Retznei wiederholt seine klaren Forderungen an die Marktgemeinde Ehrenhausen an der Weinstraße und das Land Steiermark:


  • Erhalt des Schulstandorts Retznei – ohne Wenn und Aber

  • Unabhängige Prüfung durch das Land Steiermark: Offizielle Daten des Rechnungsabschlusses 2024 prüfen, pädagogische/soziale Risiken bewerten

  • Vollständige Offenlegung aller Kosten- und Kapazitätsberechnungen, inklusive der tatsächlichen Aufnahmekapazität der VS Ehrenhausen

  • Einbindung von Eltern in die Arbeitsgruppe zur Schulzukunft

  • Transparente Kommunikation seitens des Bürgermeisters


Über 1.700 Menschen haben unsere Petition bereits unterzeichnet. Sie alle sagen dasselbe: Nicht bei Bildung sparen. Nicht bei dieser Schule.


Dringend: Viele Eltern müssen bis Anfang April 2026 ihre Kinder in einer Volksschule anmelden – die Unsicherheit blockiert familienrelevante Entscheidungen.

 

Schule ist mehr als ein Kostenfaktor


Viele Menschen in Österreich spüren: Es wird am falschen Ende gespart. Die öffentliche Diskussion rund um die VS Retznei ist dafür ein konkretes, greifbares Beispiel. Wir begrüßen jede ehrliche Debatte über Bildungsfinanzierung. Aber diese Debatte muss auf vollständigen Fakten beruhen – und sie muss die Stimmen jener einschließen, die es am meisten betrifft: unsere Kinder.


„Schule ist mehr als ein reiner Kostenfaktor." – Elternverein VS Retznei


Ein herzliches Dankeschön gilt Bundesrat Manfred Repolust, der für uns Eltern sofort ein offenes Ohr hatte. Wir möchten uns aufrichtig für seinen Einsatz bedanken. Er zeigt, wie wichtig eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Eltern und Politik ist.

 


Wollen auch Sie zur Erhaltung der Schule beitragen? Dann haben SIe hier die Möglichkeit, zu unterschreiben: www.openpetition.eu/!pbgrj


QR-Code zur Petition
QR-Code zur Petition


Quelle: Elternverein Volksschule Retznei

Fotocredits: Elternverein Volksschule Retznei
bottom of page