top of page

„Traut euch, zu fragen“: Vortragsreihe „Finanzfrau“ machte Halt in Wildon

vor 28 Minuten
3 Min. Lesezeit


Finanzielle Unabhängigkeit gilt als erster Schritt zu mehr Selbstbestimmung und einem Leben nach eigenen Vorstellungen – doch Frauen sind in ihrem Leben finanziell nach wie vor stark benachteiligt, Stichwort Gender Pay Gap, Teilzeitarbeit und ungleiche Verteilung von Care-Arbeit. Genau hier setzt die Vortragsreihe „Finanzfrau“ an, die auf Initiative von Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom unter anderem von der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Freiraum organisiert wird. Am 24. September folgten zahlreiche interessierte Frauen dem Aufruf ins Kulturzentrum Wildon.


Gerade angesichts der Teuerung sei es heute wichtiger denn je, die eigenen Finanzen aktiv zu gestalten, so der Tenor der Veranstaltung. Khom verwies darauf, dass in Österreich historisch wenig über Geld gesprochen werde – ein Umstand, der besonders mit Blick auf den im Vergleich hohen Gender Pay Gap problematisch sei. „Es geht nicht darum, dass heute alle Finanzexpertinnen werden, sondern darum, den Mut zu wecken, dass man sich traut, zu fragen“, so Khom. Es gehe letztlich darum, selbstbewusst durchs Leben zu gehen und selbst Entscheidungen treffen zu können, „und dass eines nicht passiert: Irgendwann einmal älter zu werden, dazusitzen und zu sagen, das geht sich nicht aus.“


"Über Geld zu sprechen, bedeutet Selbstbestimmung"

Auch in der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Freiraum sei finanzielle Unabhängigkeit ein ständig präsentes Thema, sagte Geschäftsführerin Natascha Bergler – ob bei beruflichen Veränderungen, Scheidungen, Kindern oder Krankheiten: „Über Geld zu sprechen, bedeutet Selbstbestimmung.“ Die Rahmenbedingungen würden zudem immer schwieriger, die Teuerung treffe vor allem Frauen, weshalb finanzielle Vorsorge immer wichtiger werde. In ihrer Keynote gab Julia Strablegg-Muchitsch, Koordinatorin für Finanzbildung bei der Schuldenberatung Steiermark, praktische Tipps zur Einnahmen-Ausgaben-Planung: Diese beginne beim jährlichen Aufschreiben der Fixkosten und reiche über das möglichst frühe Gespräch über Geld in Beziehungen – etwa darüber, was eine faire Verteilung bedeutet – bis zu finanziellen Stolpersteinen, auf die man sich vorbereiten könne, sowie den Angeboten der Schuldenberatung selbst. Bei der Veranlagung empfahl sie die „3V-Regel“: verstehen, vergleichen, verhandeln.



Genügend Gesprächsstoff

In der anschließenden Gesprächsrunde schilderte Jaqueline Weber, Referentin der Abteilung Sozialversicherungsrecht der Arbeiterkammer, dass Care-Arbeit nach wie vor sehr ungleich verteilt sei – der Großteil davon entfalle auf Frauen. So arbeiteten 51 Prozent der Frauen, aber nur 13 Prozent der Männer in Teilzeit; von den Frauen sei dies bei 90 Prozent unfreiwillig, etwa wegen Betreuungspflichten, bei den Männern hingegen bei fast der Hälfte freiwillig, etwa aus Hobbygründen. Vielfach sei es aufgrund der Kinderbetreuung nicht möglich, dass beide Elternteile Vollzeit arbeiten – Teilzeit wiederum sei ein Risikofaktor für Altersarmut. Kathrin Kleindienst, Gleichstellungsbeauftragte für den Arbeitsmarkt im AMS Steiermark, ergänzte, dass finanzielle Benachteiligung bereits bei der Berufswahl beginne, da Frauen oft in schlechter bezahlten Berufsfeldern tätig seien, und gab praxisnahe Tipps. Celina Dohr, Leiterin von Frau in der Wirtschaft der WK Steiermark, sprach an, dass Selbstständigkeit die Familiengründung erschwere, weil die Rahmenbedingungen rund um die Kinderbetreuung damit nicht vereinbar seien; Betreuungsplätze müssten stärker an die Arbeitsrealität angepasst werden. Petra Zehetleitner-Ruderer, Leiterin des Competence-Centers Veranlagung und Wertpapiere der Raiffeisen-Landesbank Steiermark, sieht die Rolle der Banken darin, das Finanzbewusstsein von Frauen zu stärken, und riet, das Pensionskonto stets im Auge zu behalten sowie privat vorzusorgen. Silke Fleischhacker, Abteilungsleiterin bei der Pensionsversicherungsanstalt Steiermark, nannte Zahlen: 2025 habe die Durchschnittspension von Frauen bei 1.700 Euro gelegen, die Armutsgefährdungsschwelle bei 1.800 Euro. Deshalb sei es wichtig, schon in jungen Jahren auf das Pensionskonto zu blicken.



Kontrolle als erster Schritt

Lisa Wagner vom Referat Familie, Erwachsenenbildung und Frauen des Landes Steiermark lockerte mit einem Gleichstellungsquiz auf und lieferte weitere Zahlen: Schon 10- bis 14-jährige Mädchen leisten um 31 Prozent mehr Hausarbeit als gleichaltrige Buben, wobei sich auch die Tätigkeiten unterscheiden – Mädchen übernehmen mehr Hausarbeit, Buben eher Arbeiten im Freien oder das Beaufsichtigen von Geschwistern. Einer Frau, die 15 Jahre lang Teilzeit arbeitet, entgehen laut Wagner im Laufe ihres Lebens rund 960.000 Euro. Von 285 Gemeinden in der Steiermark gebe es zudem nur 25 Bürgermeisterinnen – das mache zwar nicht per se einen Unterschied, doch brächten Frauen oft andere Perspektiven mit und dächten etwa das Thema Kinderbetreuung oft anders und umfassender. Melanie Gößler vom AK-Konsumentenschutz Steiermark warnte abschließend vor alltäglichen Fallen wie „Jetzt kaufen, später zahlen“-Angeboten, Kontoüberziehungen oder Social Media als Überschuldungsfalle. Sparen reiche allein nicht mehr aus – es gehe darum, das Geld für sich arbeiten zu lassen und Kontrolle über die eigenen Finanzen zu erlangen. Zum Abschluss appellierte Khom an die anwesenden Frauen, Mut und Selbstbewusstsein zu zeigen: „Traut euch, zu fragen. Männer fragen, Frauen warten, bis sie gefragt werden, aber es fragt niemand“ – das gelte vor allem bei Gehaltsverhandlungen. Veränderung beginne bereits daheim, bei der Verteilung der Care-Arbeit, wobei auch Buben stärker einbezogen werden sollten. Die Reihe „Finanzfrau“ macht mit weiteren Terminen Station in der Steiermark, unter anderem am 8. Oktober in Fohnsdorf und am 19. Oktober im Bundesschulzentrum Feldbach.


Fotocredits: Nina Gölz

bottom of page