Nach Sparappell von Kittler: Gemeinderat kippt dreitägiges Erntedankfest in Leibnitz

Einen Tag nachdem Finanzstadträtin Manuela Kittler (Bürgerforum) öffentlich vor der angespannten Liquiditätslage der Stadtgemeinde gewarnt und ein eintägiges Fest vorgeschlagen hatte, fand die dafür nötige Umschichtung von Mitteln im Leibnitzer Gemeinderat keine Mehrheit. Damit ist das für 9. bis 11. Oktober geplante dreitägige Erntedankfest „Stadt. Land. Dank." endgültig abgesagt. Bürgermeister Daniel Kos (FPÖ) und Vizebürgermeister Jochen Pießnegger (ÖVP) kritisieren die Entscheidung scharf, während Kittler auf ihre bereits seit Monaten geäußerten Warnungen verweist.
Den Auftakt machte Finanzstadträtin Manuela Kittler (Bürgerforum Leibnitz) mit einer Pressekonferenz am 22. September 2026 im Römerhof. Sie informierte über einen 34-seitigen Maßnahmenkatalog, den sie Bürgermeister Kos zur Sicherung der finanziellen Handlungsfähigkeit der Stadtgemeinde vorgelegt hatte – mit Empfehlungen zu Einsparungen bei Förderungen, Veranstaltungen, Verwaltung, Personal sowie Ermessensausgaben für Kindergärten, Vereine und Wirtschaft. Kittler verwies darauf, dass sie bereits bei der Gemeinderatssitzung am 2. Juli 2026 mit einem Dringlichkeitsantrag auf fehlende Mittel für freie Ermessensausgaben hingewiesen und mit einer Sperrliste gearbeitet habe, um Gehälter und Pflichtausgaben abzusichern; ein am 14. Juli vorgelegtes Sofortkonzept sei ebenfalls nicht angenommen worden. Zum Erntedankfest hielt sie fest, dass für die dreitägige Variante nach ihrer Kostenaufstellung rund 64.000 Euro an Ausgaben zu erwarten seien, und schlug vor, das Fest auf einen Tag zu beschränken: „Ich habe immer gewarnt. Wir haben das Geld dafür nicht, und wir können das Erntedankfest nur einen Tag machen." Sie betonte, die Koalition nicht sprengen zu wollen, sei aber „hart in der Sache, aber immer liebevoll zu Menschen".
Einen Tag später zeigte sich in der Gemeinderatssitzung, dass es nicht bei der von Kittler vorgeschlagenen eintägigen Lösung blieb: Die für die Finanzierung notwendige vorübergehende Umschichtung von Mitteln fand mit den Stimmen der SPÖ und des Bürgerforums keine Mehrheit, womit das gesamte dreitägige Fest ersatzlos entfällt. Geplant war, dass vom 9. bis 11. Oktober der Hauptplatz mit Musik, regionaler Kulinarik, Kunsthandwerk und Brauchtum zum Treffpunkt von Stadt und Land wird und nach mehrjähriger Pause auch der traditionelle Erntedankumzug wieder durch die Leibnitzer Innenstadt zieht. Mehr als 80 Hobbykünstler hatten sich bereits angemeldet, erwartet wurden über 5.000 Besucher. Nach der vorliegenden Kalkulation der Stadtgemeinde hätten die Gesamtausgaben für die dreitägige Variante rund 48.350 Euro betragen, dank Landesförderung, Sponsoring, Standgebühren und Hobbykünstlermarkt aber nur mit rund 18.550 Euro zu Buche geschlagen. Eine eintägige Variante wäre laut derselben Kalkulation mit rund 30.000 Euro teurer für die Stadtgemeinde gekommen, da wesentliche Förderungen und Einnahmen weggefallen wären. Die erwartete direkte Wertschöpfung für Handel, Gastronomie und Beherbergungsbetriebe in der Region hätte nach dieser Berechnung mehr als 250.000 Euro betragen.

Scharfe Kritik an der Absage kommt von Bürgermeister Daniel Kos und Vizebürgermeister Jochen Pießnegger, der auch für den Tourismus zuständig ist. „Als Vizebürgermeister und Tourismusverantwortlicher ist für mich nicht nachvollziehbar, dass ein Projekt, das Menschen nach Leibnitz bringt und damit auch unsere Wirtschaft und unseren Tourismus stärkt, im Gemeinderat keine Mehrheit findet. Wir hätten mit dem Erntedankfest ein starkes Signal für unsere Stadt und die gesamte Region setzen können“, so Pießnegger. Kos sieht in der Entscheidung ein falsches Signal: „Das Erntedankfest wurde zum politischen Spielball. Ich hätte mir gewünscht, dass bei dieser Entscheidung nicht parteipolitische Überlegungen, sondern das Interesse unserer Stadt im Mittelpunkt stehen.“ Beide verweisen darauf, dass Vereine, Musiker, Hobbykünstler, Gastronomen und regionale Betriebe bereits Zeit und Energie investiert hätten: „Dass dieses Engagement nun aufgrund einer fehlenden Mehrheit – durch die SPÖ verursacht – für die Finanzierung nicht umgesetzt werden kann, ist für uns sehr bedauerlich“, erklären Kos und Pießnegger.
Fotocredits: Heribert G. Kindermann, MA; STGLB_Walter



