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Weltfrauentag: Karrierewechsel auf den Bauernhof

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Deutlicher Trend: Immer mehr Quereinsteigerinnen gestalten die Landwirtschaft – im Bild v.l.n.r.: Susanne Atzler, Elisabeth Rieser, Landesbäuerin Ursula Reiter, Vizepräsidentin Maria Pein, Christina Thir, Johanna Pieber und Daniela Fagitsch
Deutlicher Trend: Immer mehr Quereinsteigerinnen gestalten die Landwirtschaft – im Bild v.l.n.r.: Susanne Atzler, Elisabeth Rieser, Landesbäuerin Ursula Reiter, Vizepräsidentin Maria Pein, Christina Thir, Johanna Pieber und Daniela Fagitsch

Der Trend ist deutlich: Immer mehr Quereinsteigerinnen gestalten die Landwirtschaft neu. Für Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Maria Pein und Landesbäuerin Ursula Reiter ist das ein Gewinn für die Bauernhöfe, stärkt die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft.

 

Immer mehr Frauen tauschen Büro, Schreibtisch oder Kanzlei gegen Feld und Stall. „Wir erleben derzeit eine äußerst dynamische Entwicklung in der heimischen Landwirtschaft: Frauen mit ganz unterschiedlichen Berufen entscheiden sich bewusst für einen Quereinstieg auf den Hof. Das ist ein großer Gewinn für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, stärkt die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit der Höfe“, sagt Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Maria Pein. Die Frauen bringen neue Perspektiven und Erfahrungen aus ganz anderen Branchen mit, die traditionelle Strukturen ergänzen und bereichern. Schätzungen zufolge liegt der Anteil der Quereinsteigerinnen bei deutlich über 40 Prozent, aktuelle Zahlen liegen Ende 2026 vor. 2016 waren es schon 33 Prozent, 2006 kamen 21 Prozent der Bäuerinnen aus nicht landwirtschaftlichen Herkunftsfamilien.

 

Vizepräsidentin Maria Pein: Gleichstellung braucht gleiche Chancen 


„Damit Frauen ihr Potenzial entfalten können, braucht es gleiche Chancen und verlässliche Rahmenbedingungen“, sagt Vizepräsidentin Maria Pein und betont: „Die Bäuerinnen sind zentrale Leistungsträgerinnen, doch ihre Kompetenzen und Leistungen für die sichere Lebensmittelversorgung und für die Zukunft des ländlichen Raums werden noch zu wenig gesehen.“ Sie untermauert: „Eine moderne Landwirtschaft und ein zukunftsfähiger ländlicher Raum sind ohne aktive Beteiligung von Frauen undenkbar.“ Gestärkt sind die Bäuerinnen in den höchsten Entscheidungsgremien der Landwirtschaftskammer nach der Wahl 2026: Mit einem durchschnittlichen Anteil von rund 30 Prozent sind die Frauen in der Vollversammlung und im Hauptausschuss vertreten.

 

Erfahrungen von Ursula Reiter


„Als Quereinsteigerin weiß ich, wie wertvoll neue Perspektiven und frische Ideen für einen landwirtschaftlichen Betrieb sein können“, betont die neue Landesbäuerin Ursula Reiter, die als Obstbäuerin am Hof erfolgreich die Direktvermarktung aufgebaut und einen Selbstbedienungsladen für regionale Produkte etabliert hat. „Frauen, die neu in die Landwirtschaft einsteigen, bringen Innovation, Kreativität und neue Vermarktungsansätze ein. Das stärkt unsere Betriebe und die gesamte Branche.“ Einsteigerinnen in den Beruf Bäuerin will Reiter Mut machen, ihr erlerntes und mitgebrachtes Wissen bestmöglich in das Betriebsgeschehen einfließen zu lassen. Reiter setzt sich dafür ein, Quereinsteigerinnen in die Land- und Forstwirtschaft gezielt zu unterstützen – mit Beratung, praxisnahen Weiterbildungsangeboten und Netzwerken, in denen Frauen selbstverständlich Frauen stärken.

 

 

Role Models: Karriere am Bauernhof – Quereinsteigerinnen

 

Susanne Atzler, 37, Maria Lankowitz: Von der Elementarpädagogin zur Vollerwerbsbäuerin.  Seit 1. Jänner 2026 ist Susanne Atzler, die zuvor als begeisterte Kindergartenpädagogin arbeitete, überzeugte Vollerwerbsbäuerin. Ihr stolzes eigenes Projekt ist der Hofladen, der noch in diesem März eröffnet wird. Schon vor der gemeinsamen Hofübernahme im Jahr 2020 ist die Quereinsteigerin „in die landwirtschaftliche Praxis“ hineingewachsen, hat auf das bestehende Standbein „Direktvermarktung“ gesetzt und einschlägige Weiterbildungen absolviert. Einen besonderen Fokus legt die vierfache Mutter (Lukas ist 16, Nora 11, Jakob 6 und Moritz 2) auch auf Marketing und Werbung durch öffentliche Präsentationen oder durch Social-Media-Aktivitäten. Auf Instagram rührt sie etwa die Werbetrommel für am Hof hergestellte Produkte wie Leberkäse, Stangenwurst, Sulz, Brein- und Blutwurst oder Frischfleisch. In der Verarbeitung setzt sie ganz auf das Prinzip „from nose to tail“: „Uns ist wichtig, das ganze Tier zu verarbeiten.“  Der Umstieg auf den Beruf Bäuerin war herausfordernd, sagt Atzler und betont: „Mittlerweile haben sich die Kunden aber schon daran gewöhnt, dass eine Frau in diesem Bereich genauso fachlich versiert sein kann.“ Was die Zukunft angeht, so ist die innovative Vollerwerbsbäuerin gerade dabei, von der Mutterkuhhaltung auf Mast umzustellen: „Das machen wir Schritt für Schritt ­– in den nächsten ein bis zwei Jahren, soll das Vorhaben aber umgesetzt sein. Und wir werden auch unsere Schlachträume grundlegend modernisieren.“

 

Daniela Fagitsch, 39, Groß St. Florian: Von der Zahnarzt- und Gemeinde-Angestellten zur Vollerwerbsbäuerin mit großen Plänen. „Learning by doing“ und fachspezifische Weiterbildungskurse haben den Weg von Quereinsteigerin Daniela Fagitsch zur Vollerwerbsbäuerin ermöglicht. „Die größte Herausforderung war es, die Direktvermarktung auf Schiene zu bringen. Das war echt harte Arbeit – verbunden mit vielen Werbemaßnahmen über Social Media, aber vor allem auch viel Mundpropaganda. Da muss man einfach immer dranbleiben“, sagt die dreifache Mutter (Dominik ist 18, Johanna 16 und Vincent 10 Jahre). Als großen Vorteil des Berufes sieht sie, dass man ständig bei den Kindern sein kann: „Das ist mir ganz wichtig. Ich genieße auch die Selbstständigkeit, die eigene Entscheidungsfreiheit und die Tatsache, dass ich mir meine Zeit weitgehend selbst einteilen kann.“ Daniela Fagitsch führt den breit aufgestellten Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann: Die Familie betreibt Acker- und Obstbau; vermarktet werden Kürbiskernöl, Essig, Geflügel, Eier und Fleisch. Außerdem werden gerade sehr große Pläne geschmiedet: „Es ist allerdings noch zu früh, um darüber zu reden. Es wird aber wirklich cool werden. Und man wird zu entsprechender Zeit davon hören.“


Daniela Fagitsch hat große Pläne und wechselte von der Zahnarzt- und Gemeindeangestellten zur Vollerwerbsbäuerin.
Daniela Fagitsch hat große Pläne und wechselte von der Zahnarzt- und Gemeindeangestellten zur Vollerwerbsbäuerin.

 


Johanna Pieber, 30, St. Kathrein/Offenegg. Direkt von der Uni auf den Hof.  Ohne land- und forstwirtschaftlichen Background aber mit viel Wissen über nachhaltige Lebensmittelproduktion im Gepäck, ist Johanna Pieber frisch von der Universität für Bodenkultur in die landwirtschaftliche Praxis eingestiegen. Fasziniert von der nachhaltigen Lebensmittelproduktion hat sie sich gemeinsamen mit ihrem Mann entschieden, den Betrieb der Schwiegereltern weiterzuführen. Von der konventionellen Milchviehhaltung haben die beiden, bis auf ein paar Mutterkühe, auf die nicht so arbeitsintensive Bio-Lämmerhaltung und auf Direktvermarktung umgestellt. „Wir halten die sehr seltenen Krainer Steinschafe und wollen das auch noch um einiges erweitern“, sagt Johanna Pieber, die auch als Lehrerin in der land- und ernährungswirtschaftlichen Fachschule Naas unterrichtet. Die Lämmermast erfolgt gemeinsam mit ihrem Mann. Neben der Direktvermarktung steckt die zweifache Mutter (Alma ist 4, Miriam 1 Jahr) auch viel Herzblut und Leidenschaft in die Vermietung eines Ferienhäuschens.

Und: „Für das nächste Jahre ist geplant, dass wir uns auch von den letzten Mutterkühen trennen. Der Stall wird dann völlig umgebaut und modernisiert – und ganz auf Schafe ausgerichtet.“

 

Elisabeth Rieser, 33, Obdach: Von der Steuerberatungskanzlei zur Biobäuerin und Profi-Direktvermarkterin. „Ich bin meine eigene Chefin und genieße meine unternehmerische Freiheit“, unterstreicht Elisabeth Rieser die Vorteile des Berufes Bäuerin, den sie ursprünglich gar nicht anstrebte. „Ich habe mittlerweile aber so richtig in diesen Beruf hineingefunden – die Landwirtschaft ist zu meiner Leidenschaft geworden“, sagt Rieserdie Betrieb und Familie managt. Gemeinsam mit ihrem Mann hat die zweifache Mutter (Sebastian ist 5, Emilia 2 Jahre) den bereits bestehenden Betriebszweig Direktvermarktung stark ausgebaut. Heute freut sich Elisabeth Rieser, die seit fünf Jahren Betriebsführerin ist, über die zukunftsfitte Ausrichtung des gemeinsamen Bauernhofes: „Wir haben seit 2012 viel in Renovierungen, Neubauten, Tierwohl und Marketing investiert – und setzen auf seltene Rassen wie Murbodner-Rinder und Turobolje-Schweine.“ Gebaut wurde ein Bio-Schweinestall, ein Jungviehstall und es wurde in Tierwohl-Maßnahmen sowie in die bestehenden Almhütten investiert. Elisabeth Rieser: „Wir haben mit unserem ‚Urlaub am Bauernhof-Angebot‘ die Auslastung sehr gut gesteigert – hier kann ich auch meine Fremdsprachenkenntnisse einbringen. Und es ist mir ein großes Anliegen, dass die Gäste auch auf den Betrieb kommen, um Landwirtschaft hautnah zu erleben – und damit ich ihnen realistische Einblicke in unsere Arbeit geben kann.“ Nachdem in den vergangenen Jahren viel investiert und umgesetzt wurde, gibt’s in nächster Zeit keine großen Neuerungen: „Wir arbeiten auf der guten bestehenden Basis, die wir uns geschaffen haben, mit Freude und Engagement weiter.“

 

Christina Thir, 43, Riegersburg: Von der Bankangestellten zur bäuerlichen Brotkünstlerin mit Hofcafe. Nach der HAK-Matura und ihrer Kurzkarriere als Bankangestellte hat Christina Thir mit ihrem Mann die verpachtete Landwirtschaft ihrer Schwiegereltern reaktiviert und anfänglich als Nebenerwerbsbetrieb geführt. Heute ist Christina Thir Vollerwerbsbäuerin, hat sich dem Brotbacken verschrieben, baut demnächst das Wirtschaftsgebäude um – für eine kleine, feine Hofbäckerei mit angeschlossenem Hofcafe mit rund 30 Plätzen. Ihre selbstgebackenen Brote und Brotspezialitäten sind wahre Kunstwerke. Thir, die mittlerweile Seminarbäuerin, Brotsommeliere und Bäckermeisterin ist, betont: „Beim Brotbacken und beim Präsentieren der Brote lebe ich meine Kreativität aus. Begeisterte Kunden sind mein Ansporn für Neues.“ Und weiter: „Ich backe an drei Tagen in der Woche – Brot, Kleingebäck und Germ-Mehlspeisen, die ich Ab Hof vermarkte – vieles auch auf Auftrag. Wir sind also eine kleine Auftragsbäckerei, besonders für Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und Taufen. Über den 24-Stunden-Selbstbedienungsladen eines benachbarten Weinbauern bieten wir unsere Produkte ebenfalls an.“ Ihre größte Herausforderung als Quereinsteigerin war, so die dreifache Mutter (Johannes ist 13, Matthias 12 und Isabella 8 Jahre): „Man muss die Selbstzweifel auf die Seite schieben. Auch wenn man etwas nicht von der Pike auf gelernt hat, kann man es schaffen – es ist nie zu spät mit etwas Neuem zu beginnen.“

 

Bäuerinnen-Organisation Steiermark. 


Die Bäuerinnen-Organisation Steiermark ist ein Zusammenschluss der Bäuerinnen in der Landwirtschaftskammer und die überparteiliche Interessenvertretung der rund 30.000 Bäuerinnen in der Steiermark. Mehr als 850 Funktionärinnen engagieren sich in den 285 Gemeinden der Steiermark. Die Arbeitsschwerpunkte der Bäuerinnen-Organisation reichen von Aktivitäten rund um Lebensmittel, über Schulaktionstage bis zum Thema Lebensqualität am Bauernhof. Zudem organisiert die Bäuerinnen-Organisation jährlich mehr als 700 Bildungsveranstaltungen speziell für Bäuerinnen zu Themen wie Unternehmensführung, Persönlichkeitsbildung, Interessenpolitik sowie Gesundheit und Ernährung.




Fotocredits: LK Steiermark/Fuchs; Elisabeth Rieser
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